Buchtipp: Bildung als Provokation
Leistungspunkte statt Neugier

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"Amtlich verordnete Unbildung"

So mancher Pädagoge wird den Kopf schütteln. Auch Liessmann weiß: Das passt nicht zum Anspruch, alle Kinder mitzunehmen, allen die gleichen Chancen zu geben. Die Form der Gerechtigkeit, schreibt Liessmann, werde heute aber als Ergebnisgleichheit ausgelegt. Soll heißen: „Alle können das Gleiche.“

Aus seiner Sicht führt das zwangsläufig dazu, auf dem Niveau des Schwächsten zu landen. „Ich kenne Eltern, denen empfohlen wurde, nicht mit ihren Kindern zu Hause zu lesen, da sonst der Vorsprung gegenüber den Schwächsten zu groß werde“, sagt er. Sein Urteil: Es gibt eine „amtlich verordnete Unbildung“.

Wer sich bereits mit Liessmanns Kritik am Bildungssystem auseinandergesetzt hat, wird vieles wiedererkennen. Hinzugekommen sind die eingestreuten Kritikpunkte an der Digitalisierung im Klassenzimmer. „Ein guter Lehrer braucht das iPad nicht, ein schlechter wird mit iPad nicht besser“, sagt er.

Letzteres bestätigen zwar auch Bildungsforscher, doch erkennen viele an, dass ein guter Lehrer seinen Unterricht durchaus mit digitalen Medien noch verbessern kann.

Dass sich ein Professor für Methoden der Vermittlung von Philosophie und Ethik am Bildungssystem abarbeitet, könnte auch damit zu tun haben, dass an seiner Universität die Bildungswissenschaft und die Philosophie unter einem Dach vereint sind.

Im aktuellen Buch macht sich der Autor aber nicht nur Gedanken über das Schulsystem, sondern setzt sich auch mit kulturellen und politischen Phänomenen der heutigen Zeit auseinander – vom Selfie-Wahnsinn über Innovationen, die keine sind, bis hin zur Abgrenzung von Wissenschaft und Kunst. Ein Sammelsurium an Themen.

Leider erklärt Liessmann nicht, in welcher Beziehung all das zueinander steht. So erscheint Vieles nicht gänzlich neu – auch wenn es zum Nachdenken anregt. Der Titel „Bildung als Provokation“, dürfte den Leser bei der gebotenen Themenvariation daher bisweilen irritiert zurück lassen.

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