Buchtipp: Bildung als Provokation
Leistungspunkte statt Neugier

Pisa, Bologna, Zertifizierungsstellen. Das aktuelle Buch von Konrad Paul Liessmann ist eine Fundamentalkritik am Bildungssystem. Es zerstöre jede Lust am Erkennen, moniert der Philosoph.
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DüsseldorfNachdem Konrad Paul Liessmann seine letzte Streitschrift zur Bildung vorgestellt hatte, wurde der Wiener Philosophieprofessor gefragt, was ihn so wütend gemacht habe. Seine Antwort: die Hörigkeit gegenüber der Ideologie des internationalen Schülertests Pisa.

Die Ausrichtung des gesamten Bildungssystems in Deutschland und Österreich an diesem aus seiner Sicht höchst fragwürdigen Test, die Bologna-Reform an den Universitäten und die nach dem Pisa-Schock eingeführte Kompetenzorientierung in den Studien- und Lehrplänen. Das ist Fundamentalkritik am heutigen Bildungssystem.

In seinem aktuellen Buch scheint es nicht so, als wäre seine Wut verraucht. Liessmann, Jahrgang 1953, hat in „Bildung als Provokation“ sogar noch einmal nachgelegt.

Konrad Paul Liessmann – Bildung als Provokation
Paul Zsolnay Verlag
Wien 2017
240 Seiten
ISBN: 978-3552058248
22 Euro

Bildung, urteilt Liessmann, gelte heute als Antwort auf alle möglichen Fragen. Wie schaffen wir es, die Flüchtlinge zu integrieren? Wie lässt sich Armut in der Welt bekämpfen?

Wie kann man dem Rechtspopulismus und der Fremdenfeindlichkeit begegnen? „Auch wenn dies der historischen Erfahrung widerspricht, gehört der Glaube an Bildung als eine gesellschaftspolitische Hygienemaßnahme zum Arsenal der spätaufklärerischen Bildungslegitimation“, schreibt er.

Ob Bildung aber den einzelnen Menschen oder ganze Gesellschaften verändern könne, hänge vom „Mut ab, Bildung inhaltlich und normativ zu bestimmen“. Liessmann sieht hier aktuell wenig Anlass zur Hoffnung. Solange es nur darum gehe, „Leistungspunkte“ zu sammeln, Kompetenzen und „zeitgemäße Kulturtechniken“ zu erwerben und „Zertifizierungsstellen“ zu durchlaufen, könne keine Kraft zur Veränderung entstehen.

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