Buchtipp: Die Alternative oder - Macht endlich Politik! Christian Udes Schwabinger Aufstand

Aus dem Ruhestand poltert Münchens langjähriger Oberbürgermeister über linke Milieulügen, Deutschlands scheinheilige Flüchtlingspolitik und eine anachronistische SPD. Die Radikalanalyse eines geläuterten Politikers.
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Der einstige Münchener Oberbürgermeister und Seehofer-Herausforderer der Bayern-SPD ärgert sich über die Art, wie Deutschland Politik macht. Quelle: AP
Buchautor Christian Ude

Der einstige Münchener Oberbürgermeister und Seehofer-Herausforderer der Bayern-SPD ärgert sich über die Art, wie Deutschland Politik macht.

(Foto: AP)

MünchenDie große Frage ist: Was nervt ihn mehr? Die moralsicheren Linken mit Unfehlbarkeitsanspruch oder die Rechten mit ihrer Gestrigkeit? Die Selbstgerechten seiner SPD oder die Selbstgefälligen aus dem anderen Lager?

Ganz sicher ist, dass Christian Ude stark und generell leidet unter der Art, wie Deutschland Politik macht oder besser: nicht macht. Es werde nicht mal diskutiert, findet er, die großen Parteien hätten sich im Kampf um die Mitte selbst entkernt.

Sein Horror-Wort: „Alternativlos“. Deutschland 2017 ist für ihn wie Deutschland 1961, als Martin Walser das Buch schrieb: „Die Alternative oder Brauchen wir eine neue Regierung?“ Udes Zornesbuch heißt ganz ähnlich: „Die Alternative oder: Macht endlich Politik!“. Es ist ein lauter, kein lärmender Appell für Sachpolitik.

Und der Versuch einer Radikalanalyse durch den Mann, der Politik von unten und mit unten erlebt hat. Er war Zeitungsredakteur, Mieteranwalt und 21 Jahre lang Münchens Oberbürgermeister.

Niemand wird Ude eine fehlende linke Identität vorwerfen können. Doch jetzt sind die alten Gewissheiten weg, jetzt beginnt die Selbsttherapie. Und damit beginnt sein Schwabinger Aufstand, ein Aufstand aus dem Ruhestand.

Nun ödet ihn die Mechanik der Macht an, die Spielchen der SPD und der Selbstbetrug der Linken. „Die SPD im Schulz-Taumel beschwört Zukunftsvisionen des 19. Jahrhunderts“, lautet ein Stoßseufzer-Satz. „Die Linke hat viele soziale Fragen übersehen, auch in der Euro- und der Flüchtlingsfrage“, lautet ein anderer. 

Ude wählt die Frageform und den Schachtelsatz, um seine Zweifel an die Luft zu lassen. Könnte es nicht sein, heißt es, dass ausgerechnet die Progressiven mit ihren Postulaten von Freiheit und Gleichheit „im Zeichen multikultureller Aufgeschlossenheit erschreckende Rollen rückwärts vollziehen?“ Was er meint:

Diskriminierung von Frauen in Schichten mit Migrationshintergrund, türkischer Nationalismus, fehlendes Bekenntnis zur Religionsfreiheit im Islam. Seine Frau berichtete ihm von Türkinnen, die erst nach dem Tod ihrer Männer Deutsch-Sprachkurse belegen.

Ude ist kein zweiter Thilo Sarrazin
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