Buchtipp Martin Schulz - Der Kandidat
Der Sound des Herausforderers

Er reist mit einem Gummi-Nilpferd durch die Welt und liebt melancholische Chansons. Eine flott zusammen gezimmerte Biographie beleuchtet auch die kuriosen Eigenschaften eines machthungrigen Martin Schulz.
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DüsseldorfDer schönste Vergleich, den Manfred Otzelberger zieht, kommt aus der Musik: „Wenn Angela Merkel Kammermusik oder Oper ist, ist Martin Schulz Rock‘n‘Roll, manchmal sogar Heavy Metal.“ Recht hat er. Seitdem die SPD Ende Januar ihren Kanzlerkandidaten präsentiert hat, ist Leben zurückgekehrt in die Politik, es erklingt ein neuer Sound. Der Wahlkampf, er ist erstmals wieder ein echtes Duell, ein Wettstreit zwischen zwei Positionen.

Wer Schulz in diesen Tagen begleitet, erlebt eine SPD, die von einer Euphoriewelle getragen wird. Der beobachtet alte Sozis mit Tränen in den Augen und junge Menschen, die in Scharen in die Partei eintreten. Der sieht, wie wildfremde Leute den SPD-Chef für Selfies in einer Fußgängerzone stoppen.

Manfred Otzelberger ist der erste Autor, der Schulz als Kanzlerkandidat beleuchtet. Damit eröffnet er den literarischen Martin-Reigen: Allein im April erscheinen zwei weitere Werke, Anfang Mai kommt schon das nächste.

Klar, Otzelbergers Buch ist ein Schnellschuss: Von der Kandidatenkür bis zum letzten Schulz-Auftritt, den er beschreibt, vergehen gerade einmal sechs Wochen.

Die Saarland-Wahl, bei der sich das Gros der Wähler aus Angst vor einem rot-roten Bündnis für die CDU entschieden hat und die SPD nun in ein Koalitionsdilemma treibt – sie taucht schon gar nicht mehr auf. Vieles lässt Otzelberger im Ungefähren, es herrscht der Konjunktiv.

Was der Autor an Biographischem erzählt, ist weithin bekannt: Die Probleme in der Schule, der zerplatzte Traum vom Fußballprofi, der Kampf gegen den Alkohol, die Lehre als Buchhändler, der erfolgreiche Jungunternehmer. Dann der politische Aufstieg vom Bürgermeister in Würselen zum jungen Europaabgeordneten, der sich mit Italiens Cavaliere Silvio Berlusconi duelliert. Schulz als EU-Parlamentspräsident.


Otzelberger schreibt vom Momentum, das der Mann auf seiner Seite hat. Von seinem Talent, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Aber auch von einem, der es genießt, vor anderen zu reden – und sich an sich selbst berauschen kann.

Seite 1:

Der Sound des Herausforderers

Seite 2:

Auch Schulz' Friseur erzählt

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