Buchtipp „Nimm dir das Leben, das du wirklich willst“
Millionen Wege zum Glück

Warum macht uns die Arbeit unglücklich? Und wie finde ich heraus, was ich mit meinem Leben anfangen will? Der Autor Martin Cordsmeier hat mit zahlreichen Menschen gesprochen, um den Weg zum beruflichen Glück zu finden.
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DüsseldorfUff, wieder so ein Ratgeber, lautet der erste Impuls. Cordsmeier betont zwar, dass sein Buch genau das nicht sein soll. Doch der Eindruck bleibt haften, da er den Leser duzt und erst einmal in bester Ratgeber-Manier vorbetet, was da alles falsch gelaufen ist mit dem eigenen Leben.

Das Hauptproblem: Die Autoren der eigenen Geschichte, so Cordsmeier, sind vor allem die anderen. Eltern, Lehrer, Mitschüler, Vorgesetzte, Kollegen mit all ihren Erwartungen. Die formen Denkmuster, die uns irgendwann vergessen lassen, wer wir sind.

Und selbst wenn sich die Selbstreflexion doch einmal aufdrängen will, geben wir ihr weder Zeit noch Raum und machen weiter wie bisher. Am Ende werden wir zu Wesen, die sich nach allem richten, nur nicht nach uns selbst, analysiert Cordsmeier. Authentizität fällt weg.

Wie soll sie auch entstehen, wenn man sich stets den Anforderungen anderer unterordnet. Erst wenn die Anpassungsschmerzen zu stark quälen, suchen Menschen Hilfe. Vernachlässigt man die eigenen Bedürfnisse weiter, folgen dem Unwohlsein erst Krankheiten mit den bekannten volkswirtschaftlichen Schäden für Arbeitgeber. Schlimmer noch: Manch einen führt der Kraftakt, das wahre Selbst nicht auszuleben, in die Kriminalität.

Solche mitunter steile Thesen, belegt Cordsmeier mit vielen Studien, Expertenmeinungen und Fallbeispielen. Er beschreibt das Schicksal des 24-jährigen Ronny, der hauptberuflich alte Leute und Kinder überfiel. „Für ihn war es das einzige greifbare Ventil“, schreibt der Autor. Sein Schauspieltalent habe niemanden interessiert und irgendwo müsse die überschüssige Energie ja hin, lässt er Ronny sagen.

Für seine Diagnose, die Entfremdung vom eigenen Ich, liefert Cordsmeier die passende Therapie: seine gemeinnützige Stiftung millionways. Mit ihr verfolgt er das Ziel, Menschen und Ideen zusammenzubringen, verborgene Talente zu fördern und mehr aus dem persönlichen Potenzial zu machen.

Mit den richtigen Unterstützern verwirklichte etwa ein Steuerberater seinen Lebenstraum und wurde Fotograf. Ein Obdachloser arbeitet heute als Entwickler von Outdoorbekleidung. Anhand solcher Biografien zeigt der Autor, wie sich Denkmuster auflösen lassen, und macht nebenher noch kräftig Werbung für seine Stiftung.

Der Weg zurück in die Selbstsicherheit ist beschwerlich. Denn die Selbstentwertung beginnt früh. Das macht Cordsmeier im Kapitel über Talent deutlich. Talent, das lerne man schon in der Schule, haben vor allem die anderen, die Begnadeten. Ein Da Vinci, eine Marie Curie. Ein Goethe. Du bist nicht Goethe, also versuch auch nicht, so zu schreiben – so ähnlich können Entmutigungen lauten.

Ein fataler Mechanismus, findet der 32-Jährige. Der habe die Welt vieler Kunstwerke, Erfindungen und Erfolgsgeschichten beraubt. Cordsmeier fordert ein Umdenken und empfiehlt, sich stärker an Kindern zu orientieren. Sie hätten eine ungetrübte Wahrnehmung dafür, was sie können und was sie daraus machen wollen. Kunst, Musik oder Tüftelei.

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