Die reichste Ente der Welt

Erfolg und Reichtum hängen oft vom Zufall ab – nicht unbedingt von der Leistung.

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Buchtipp: „Ohne Glück kein Erfolg“ Wider den Zufall

Der amerikanische Ökonom Robert H. Frank und Kolumnist der „New York Times“ legt in seinem neuen Buch anschaulich dar, warum Erfolg oft keine Folge von herausragender Leistung ist – und was zu tun ist, um das zu ändern.
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Ohne Gelegenheit bringt Können gar nichts – so lautet ein Ausspruch, der den Zufall und das Glück preist und Napoleon Bonaparte zugeschrieben wird. Der US-amerikanische Ökonom Robert H. Frank hat oft die Gelegenheit gehabt, sein Können unter Beweis zu stellen: Er war Chefökonom der zivilen Luftfahrtbehörde, Professor an der amerikanischen Elite-Universität Cornell, Kolumnist der „New York Times“.

In seinem Buch „Ohne Glück kein Erfolg: der Zufall und der Mythos der Leistungsgesellschaft“ beschreibt er nun Ketten höchst unwahrscheinlicher Ereignisse, die Menschen zu Ruhm und Ehre verhelfen. Und er erklärt, wie sich selbst die allergrößten Erfolgsgeschichten auch anders hätten entfalten können.

dtv Sachbuch 2018, 224 Seiten, 20 Euro. Quelle: dtv
Robert H. Frank: „Ohne Glück kein Erfolg“

dtv Sachbuch 2018, 224 Seiten, 20 Euro.

(Foto: dtv)

Seine Botschaft: Leistung wird überschätzt, der Zufall unterschätzt. Doch was als heimelige Lektüre anmutet, ist bittere Sozialkritik. Frank ist sicher: „Erfolgreiche Menschen spielen tendenziell den Anteil des glücklichen Zufalls auf ihrem Weg zum Erfolg herunter.“ Das führe dazu, dass wohlhabende Menschen nur ungern ihren Reichtum teilten – weil sie ihn sich ja aus eigener Sicht hart erarbeitet und keinesfalls die Umstände zu ihrem Erfolg beigetragen haben.

Ein Dilemma, denn wenn Investitionen reicher Menschen ausbleiben, mindere das wiederum die Chance eines anderen weniger wohlhabenden Menschen, ein erfolgreiches Leben zu führen, leitet Frank ab. Als Prototyp für so einen leistungsorientierten wohlhabenden Menschen nennt der Cornell-Professor den amerikanischen Investor Warren Buffet, der einmal den legendären Satz gesagt haben soll: „Jemand sitzt im Schatten, weil jemand anderer vor langer Zeit einen Baum gepflanzt hat.“

Für den US-Professor Frank ist der Erfolgsfaktor Zufall nicht nur ein individuelles Versäumnis, sondern auch ein Indikator für kollektives Versagen. Denn in einer absolut gerechten Gesellschaft würde der Faktor Glück, zu dem auch das Elternhaus zählt, das Berufsleben eines Menschen kaum beeinflussen. Weil alle mit ähnlichen Voraussetzungen starten würden.

Dafür aber müsste sich die Gesellschaft grundlegend verändern, sagt Frank. Hier argumentiert der Ökonom stark umverteilungspolitisch und spricht sich dafür aus, progressive Steuersätze „durch eine weitaus progressiver gestaltete Konsumsteuer“ zu ersetzen. Die würde neben dem Einkommen auch die jährlichen Ersparnisse steuerlich berücksichtigen – und belohnen, wenn jemand viel Geld horte und wenig ausgebe.

So sollen zusätzliche Einnahmen generiert werden, die etwa in eine bessere Infrastruktur für alle fließen könnten. „Unter dem derzeitigen Steuersystem könnten sich Reiche zwar einen Ferrari leisten“, schreibt Frank, „müssen aber auf schlecht instand gehaltenen Straßen fahren.“

Ob Investitionen in öffentliche Güter allein die Welt gerechter machen, darf – bei aller anderen Kritik, die man an pauschalen Umverteilungsdebatten hegen kann – bezweifelt werden. Insgesamt regt Frank aber zum Nachdenken an. Vor allem dank der vielen ökonomischen Einblicke und anschaulichen wissenschaftlichen Belege, die er liefert. Sie gehen weit über die Binse hinaus, dass Erfolg nun einmal auch immer ein bisschen Zufall ist.

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