Buchtipp: Straight Talk on Trade Ihr da oben, wir da unten

Die Globalisierung ist in Verruf geraten. Bissig, kernig und durchaus auch ein wenig aggressiv präsentiert Havard-Ökonom Dani Rodrik in seinem Buch "Straight Talk on Trade" seine "Ideen für eine gesunde Weltwirtschaft".
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Billigimporte lassen Fragen über Verteilungsgerechtigkeit aufkommen. Quelle: Stone/Getty Images
Containerschiff

Billigimporte lassen Fragen über Verteilungsgerechtigkeit aufkommen.

(Foto: Stone/Getty Images)

MünchenVom Glanz der Globalisierung ist wenig übrig geblieben. Heute ist mit ihr, anders als vor 25 Jahren, ein geldreiches Scheitern verbunden. Zwar stiegen Umsatz und Börsenwert international ausgerichteter Firmen, die Wohlfahrt von Ländern wie China wächst weiter, und Investoren werden reicher. Andererseits: Im Westen, in den alten Industrieländern, fühlen sich immer größere Bevölkerungsgruppen abgehängt und wählen nationalistisch. Ihr da oben, wir da unten, das heißt heute: ihr Globalisten, wir Verlierer.

Die Antiglobalisierungswelle mit ihren demagogischen Helden wie Donald Trump, Viktor Orbán oder Jarosław Kaczyński schreckt Ökonomen auf. Sie fragen sich, was hier falsch läuft. Wie können jahrzehntelang gültige Grundsätze des freien Marktes auf einmal des Teufels sein? Warum wenden sich Bürger ab? War es ein Fehler, grenzenlos Kapital mobilisiert zu haben?

In der Riege der aufgeschreckten Wirtschaftsprofessoren fallen Bücher auf, die der Bedrohung durch die Internationale der Anti-Internationalisten Argumente und Konzepte entgegensetzen wollen. Da ist zum Beispiel Dani Rodrik, türkischstämmiger Professor an der US-Universität Harvard, ein früher Kritiker der Globalisierung.

Auch er geht der Frage nach: Wie können Ökonomen die Ökonomie der Welt retten? Der Harvard-Ökonom geht in seinem Buch „Straight Talk on Trade“ bissig, kernig und durchaus auch ein wenig aggressiv vor, um „Ideen für eine gesunde Weltwirtschaft“ zu präsentieren.

Eine "ehrlichere Erzählung"

Der aktivistische Stil drückt sich schon in der Selbstkritik aus: Seine Branche könnte viel mehr Einfluss auf öffentliche Debatten haben, schreibt er, wenn die Professoren stärker bei ihrer Lehre geblieben wären und „sich nicht mit den Cheerleadern der Globalisierung“ verbunden hätten.

Ökonomen hätten nachgeplappert, was der Mainstream in Politik und Wirtschaft vor 20 Jahren ausgerufen habe. Das war die Zeit, als Rodrik im Bestseller „Has Globalization Gone Too Far?“ vor einer Spaltung von Gesellschaften und vor Verteilungskonflikten warnte: „Zu viel internationale Integration riskiert heimische Disintegration.“

„Märkte sind die Essenz der Marktwirtschaft
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