Buchtipp „Tochter des Teufels“
Marine Le Pens Plan von der Abschaffung Europas

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Abschaffung Europas als vorrangiges Ziel

Dafür muss sie Zugeständnisse machen an die politische Etikette. Sie glättet ihre Rhetorik, baut ein paar Vorschläge zu erneuerbaren Energien in ihr Programm ein, sucht Unterstützer im Kreis der gesellschaftlichen Eliten und lässt auf Veranstaltungen auffällig viele Migrantenkinder und Farbige auftreten.

Im Kern hat sie die Politik der Front National (FN) aber nicht verändert, urteilt Kuchenbecker und belegt dies gut. Sie zitiert französische Politologen, die in Le Pens programmatischen Äußerungen „die Merkmale der faschistischen Ideologie in Frankreich“ erkennen.

Dabei entgeht die Autorin der Falle, nur „verräterische“ Zitate von Le Pen zu suchen. Vielmehr analysiert sie das Korpus der FN-Ideologie. So definiert Marine Le Pen die Nation streng in der antiliberalen Tradition als eine Volksgemeinschaft. Der politische Führer, in ihrem Fall die Führerin, ist von der Geschichte erwählt, die korrupten Eliten wegzufegen, die das Volk an die „Tyrannei in Brüssel“ verraten und vor den „deutschen Herren“ zu Kreuze kriechen.

In Le Pens Denken ist das Volk keine Gemeinschaft gleichberechtigter Bürger. Das Individuum spielt bei ihr keine Rolle. Freiheit ist weder ein Grundrecht noch die Voraussetzung für die Entfaltung des Bürgers. Sie ist lediglich eine Freiheit der Nation von Brüssel, von Deutschland, von der Gefahr durch Migranten. Der Rechtsstaat kommt bei ihr nie vor. Wenn es um den Staat geht, dann nur im Hinblick auf die Polizei, die schärfer durchgreifen müsse gegen „das Gesocks“ in den Vorstädten.

Den ideologischen Grundbestand, Rassismus und Nationalismus, hat Le Pen der Autorin zufolge nicht verändert. Sie hat die Sprache des FN aber entschärft. Gleichzeitig baut sie fast schon teuflisch geschickt – hier wäre der Titel angemessen – jeder Empathie mit den Opfern ihrer Politik vor. So spreche sie lieber „von Immigration als von Einwanderern,“ schon um sprachlich Distanz zu den betroffenen Menschen zu schaffen. Die Grundmelodie sei stets, die Bevölkerung auseinanderzudividieren – in Franzosen, die endlich wieder Herr im Haus sein müssen, und die gesichtslose „überbordende und maßlose Immigration.“ In diesem Zusammenhang spricht sie häufig von Lohn, Kosten oder Schutz, setzt Muslime mit „Besatzung“ gleich und malt ein Schreckensbild von Parallelgesellschaften, welche die Identität und Einheit des Landes zerstörten, die Seele Frankreichs.

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