Buchtipps der Woche
Korrupte Richter, Antisemitismus und amerikanische Hinterwäldler

Ein Bestsellerautor schickt seine Helden in den Kampf gegen Korruption, ein Historiker zeichnet die Judenverfolgung in Europa nach und ein Jurist erzählt aus dem Land der „Hillbillys“. Die Buchtipps der Woche.
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Berlin /HannoverDer Name John Grisham steht für spannende Justizthriller. In seinem neuen Roman „Bestechung“ hat der Erfolgsautor, dessen Auflagen weltweit längst in die Millionen gehen, ein bekanntes Thema neu aufbereitet: Korruption im Justizsystem.

Seit fast drei Jahrzehnten veröffentlicht John Grisham mit schöner Regelmäßigkeit Romane, die ihre Spannung aus der Praxis des Justizbetriebs beziehen. Vielfach sind es Geschichten um Rechtsanwälte, die gegen erhebliche Widerstände die Interessen ihrer Klienten verteidigen, dadurch Recht und Gerechtigkeit stärken und so die Welt ein wenig besser machen.

In seinem gerade erschienen Roman „Bestechung“ ist es dem 62-jährigen ausgebildeten Juristen Grisham gelungen, einen überraschenden Ansatz für eine Handlung zu finden, deren Kern schon durch den Romantitel verraten wird.

Der besondere Dreh, den Grisham gefunden hat, ist seine Hauptfigur. Lacy Stoltz ist zwar Juristin, aber sie steht nicht im Gerichtssaal, wie so viele andere von Grishams früheren Romanhelden. Stattdessen arbeitet sie für eine weitgehend unbekannte Behörde des Bundesstaates Florida, das Board on Judicial Conduct, das Beschwerden über das berufliche Verhalten von Richtern überprüft.

Als der Roman beginnt, ist Lacy gerade zusammen mit ihrem Kollegen Hugo auf dem Weg zu einem Treffen mit jemandem, der eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen einen Richter einlegen will. Das klingt alles erst einmal nicht gerade spannend, aber das ändert sich rasch, nachdem die Beamten ihren Gesprächspartner getroffen haben. Der Mann ist durchaus exotisch, lebt völlig unabhängig und unerreichbar auf seinem Segelboot, hat nach einer Haftstrafe seinen Namen geändert und verfügt über brisante Informationen.

Der Mann gibt an, dass er nur der Verbindungsmann ist zu einem Mittelsmann, der seinerseits in Verbindung steht zu einem Insider aus der Justizwesen. Und dieser will Beweise dafür haben, dass eine Richterin sich seit Jahren von den Betreibern eines Spielcasinos bestechen lässt und dafür wiederholt das Recht gebeugt hat.

Eine besondere, für deutsche Leser geradezu exotische Note bekommt die Geschichte dadurch, dass das äußerst profitable Casino auf dem Gebiet eines Indianerreservats liegt. In einem solchen Reservat haben die US-Justizbehörden keine Befugnisse, sondern dürfen nur mit offizieller Genehmigung des Stammes tätig werden. Das ist in diesem Fall sehr schwierig, denn der Stamm ist durch das Casino reich geworden, und die Urteile der verdächtigten Richterin leisten dazu einen gewichtigen Beitrag.

Noch komplizierter wird die Situation dadurch, dass ein geheimnisumwitterter Gangsterboss seine Hände im Spiel hat. Wie der Insider berichten lässt, könnte die Polizei ihm nur gefährlich werden, wenn sie die Richterin ausschalten. Es dauert nicht lange, bis das Team um Lacy Stoltz die Strukturen des Falles durchblickt hat und die Untersuchung beginnt.

Kurz darauf wird jedoch klar, dass es die Beamten mit einem gefährlichen Gegner zu tun haben. Ein Mensch stirbt, einer wird schwer verletzt, ein dritter verschwindet. „Aus einem kleinen, dunklen Komplott war etwas sehr viel Gefährlicheres geworden.“ Und das, wo die Bundespolizei schon damit ausgelastet ist, die Grenzen gegen Terroristen zu sichern, die über die Karibik ins Land kommen könnten.

Grisham hat seine Figuren gewohnt realistisch gezeichnet, so dass sie sofort plastisch erscheinen und in ihrem Handeln glaubhaft sind. Dabei sind sie, wie Lacy mehrfach betont, keine Polizisten mit Waffen, sondern Anwälte mit Vorladungen.

Mit erstaunlicher Leichtigkeit schafft es Grisham in „Bestechung“, aus einer komplizierten Ausgangssituation einen spannenden Justizthriller mit einigen überraschenden Wendungen zu machen. Das Grundproblem lässt sich sehr einfach zusammenfassen, genauso, wie er der Richterin in einer entspannten Minute durch den Kopf geht: „Es war erstaunlich, wie leicht sich Nähe schaffen und Misstrauen ersticken ließ, solange genug Geld im Spiel war.“

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