Buchvorstellungen: Wie wir die Welt verheizen

Buchvorstellungen
Wie wir die Welt verheizen

Unsere Welt ist heiß, flach und überbevölkert, schreibt Thomas L. Friedman. Damit charakterisiert er die Klimakatastrophe, die Globalisierung und die Tatsache, dass es zu viele Menschen gibt. Und er verrät, „was zu tun ist“ im 21. Jahrhundert. Neue Ökobücher bieten außer Fakten auch Anekdoten, schräge Vergleiche und philosophischen Tiefgang.

DÜSSELDORF. Offenbar eine Menge, denn der Amerikaner, Kolumnist der „New York Times“, beglückt seine Leser mit mehr als 500 Seiten.

Im Grunde schreibt Friedman ein Buch über Klimawandel, saubere Energie und Ökologie, greift also eines der ganz großen Themen der Zeit auf. Aber weil es so gut dazu passt, befasst er sich zunächst intensiv mit der angeschlagenen amerikanischen Befindlichkeit als „Subprime-Nation“, dem Sicherheitswahn, der die USA isoliert, und der verhängnisvollen Politik von Ex-Präsident George W. Bush. Eine seiner Kernerkenntnisse ist schließlich: „Es ist viel wichtiger, Politiker zu wechseln als die Glühbirnen.“ In den USA ist freilich genau das gerade schon passiert, zwischen amerikanischer Originalausgabe und deutscher Übersetzung. Nebenbei streift Friedman, der mit dem Buch „Die Welt ist flach“ bekanntwurde, dann noch Fragen wie den verhängnisvollen Einfluss des mit Petro-Dollar finanzierten Islams saudischer Prägung auf die gesamte arabische Welt.

Keine Frage, der Autor ist ein begnadeter Erzähler. Und er reist offenbar viel und lässt seine Leser daran teilhaben – von Montana bis Kairo und weiter nach Indien oder China. Der Leser lernt eine Menge Leute kennen, erfährt viele Details, aber auch, wann der Autor geduscht oder Bier getrunken hat. Friedman hat zudem eine Unmenge an Material zu ökologischen Problemen, aber auch zu Lösungsansätzen – wie der Umstellung der New Yorker Taxis auf Hybridfahrzeuge – zusammengetragen.

Wer ein Buch braucht, um sich selbst von der Bedeutung der ökologischen Probleme zu überzeugen oder speziell an der amerikanischen Sicht der Dinge interessiert ist, der wird von Friedman gut bedient. Wer allerdings längst weiß, dass wir ökologische Probleme haben, erfährt bei ihm wenig grundsätzlich Neues. Und um als Nachschlage- oder Übersichtswerk zu dienen, enthält das Buch zu viele Anekdoten.

Der Buchmarkt läuft, im Vergleich zu anderen Medien, den öffentlichen Diskussionen leicht hinterher, zumal dann, wenn es sich um Übersetzungen handelt. Die Klimadebatte, ansonsten von der Finanzkrise etwas in den Hintergrund gedrängt, schlägt hier daher gerade jetzt voll mit neuen Titeln durch. Aber nicht jede Methode, Bewusstsein zu erzeugen, ist begrüßenswert. Manche Leute neigen zu deplatzierten Geschichtsvergleichen, wie wir aus den ewigen Saddam-Hitler-Vergleichen wissen. Derrick Jensen setzt noch einen drauf. Für ihn ist unsere Zivilisation „der permanente Holocaust“, und dieser Vergleich wird mehrfach vertieft. Ob der Pendo-Verlag sich einen Gefallen damit tut, dies in Jensens „Öko-Manifest“ stehenzulassen, ist zweifelhaft.

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