Bücher haben es ihr seit der Kindheit angetan
Das Schönste ist das Fremdsein

Filmemacherin, Buchautorin, Weltreisende: Doris Dörrie wird 50. Interviews zum runden Geburtstag verweigert sie rundweg. Und eine Bilanz zu ziehen über ihr Leben, das kommt ihr gar nicht in den Sinn.

Das Schönste am Reisen – und Doris Dörrie reist um die ganze Welt – ist für sie das Fremdsein. Sie liebt es, sich in einer unbekannten Kultur auf Neues einzustellen und ihre Vergangenheit, ihre Biografie abzustreifen, um im Hier und Heute zu existieren. Ihre eigene Biografie scheint ihr ohnehin nicht so wichtig. Am 26. Mai wird Doris Dörrie 50. Interviews zum runden Geburtstag verweigert sie rundweg. Und eine Bilanz zu ziehen über ihr Leben, das kommt ihr gar nicht in den Sinn.

Dabei hat sie selbst einmal auf die Besonderheit der Fünfziger-Grenze für Frauen hingewiesen. „Die gesellschaftliche Sichtbarkeit von Frauen über 50 muss ganz neu verhandelt werden“, sagt sie. Frauen dieses Alters müssten gesellschaftliche Positionen und Führungsämter bekleiden, um sichtbar zu werden.

Doris Dörrie ist eine, die gesehen wird – als Filmemacherin, Buchautorin, Opernregisseurin. Ihr Name gehört zur deutschen Gegenwartskultur und egal, ob auf der Buchmesse oder auf Premierenfeiern: Die Frau mit den strahlend blauen Augen, den blonden Strubbelhaaren, den zumeist farbenfrohen Kleidern ist von Menschenscharen umringt.

Das heißt nicht, dass sie sich immer gern präsentiert: Manchmal ist sie scheu und setzt zu Fototerminen eine Sonnenbrille auf. Denn früher mochte sie es überhaupt nicht, sichtbar zu sein. Lieber stand sie hinter der Kamera als davor, lieber schrieb sie gar nicht, als dass sie sich mit einem eigenen Buch an die Öffentlichkeit gewagt hätte. „Splitterfasernackt“ wäre sie sich da vorgekommen, sagte sie.

Dabei hatten es ihr Bücher seit der Kindheit angetan. Mit acht Jahren erschien der Tochter lesesüchtiger Eltern „das Schreiben als das größte Wunder auf diesem Planeten“. Und die erwachsene Frau erklärt überraschend in einem Buchnachwort: „Filme geben mir bis heute kein Zuhause, sondern eher einen Unterstand im Regen. Wirklich leben kann ich in ihnen nicht. In Büchern schon.“ Der Weg zum Schreiben führte über den Film.

Die gebürtige Hannoveranerin studierte Theaterwissenschaft und Schauspiel in Kalifornien und New York. Amerika öffnete ihr die Augen für die „Mysterien des Alltags“ und bot ihr „entscheidende Nachhilfestunden in Selbstironie, Humor, komischem Timing und Geschichtenerzählen“ – das, was zu ihrem eigenen Markenzeichen werden sollte.

Da ihr das Schauspielern nicht lag, wechselte Doris Dörrie die Seiten und studierte fortan in München an der Hochschule für Film und Fernsehen. Sie tat gut daran: Nach einer Reihe von Dokumentar- und Kinderfilmen machte sie mit der Dreieckskomödie „Männer“ (1985) weltweit Furore. Filme wie „Happy Birthday, Türke!“ (1991), „Keiner liebt mich“ (1994) und „Bin ich schön?“ (1998) setzten weitere Meilensteine in ihrer Karriere.

Doch mit den Erfolgen kam die Kritik. 1999/2000 drehte Doris Dörrie per Videokamera „Erleuchtung garantiert“, die Komödie zweier Brüder im japanischen Zen-Kloster. „Zen oder die Kunst, auf den Abspann zu warten“, kommentierte ein Kritiker säuerlich. Für „Nackt“ (2002), die Geschichte dreier Paare in unterschiedlichen Verliebtheitsstadien erhielt sie zwar 2003 den „Deutschen Filmpreis in Silber“. Doch während die einen das Werk als „witzig und geistreich“ lobten, verrissen es die anderen als „künstliches Geschwätz“ und „Schülertheater“.

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