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Hochgefühle und Tiefschläge

Handelsblatt-Mitarbeiter empfehlen fiktive und wahre Lebensgeschichten: von Prominenten, Gelehrten und Friedensboten

Leseverführung aus Ungarn

Natürlich ist die Verlockung groß, diesen dicken Wälzer in zwei, drei Weihnachtstagen einfach in einem Rutsch zu lesen. Doch was würde die Familie wohl dazu sagen! "Verlockung", die Wiederentdeckung des großen Romans von János Székely, ist eines der schönsten und sinnlichsten Bücher des Jahres. Es geht um den ungarischen Jungen Belá, dessen Start ins Leben nicht schlechter sein könnte. Er wächst erst bei einer Pflegemutter auf, die ihn quält und hungern lässt.

Mit 14 Jahren erst darf er bei seiner leiblichen Mutter, einer Waschfrau, in Budapest leben. Belá wird Page und Liftboy in einem Grandhotel. Székely, der später als Drehbuchschreiber in Amerika große Erfolge feierte, hat einen Teil seiner eigenen Kindheit beschrieben. In dem Buch steckt Gesellschaftskritik: Hungernde Kinder und die Dekadenz der Reichen werden thematisiert.

Doch Belá erlebt auch einige amouröse Abenteuer und geht fast an ihnen zu Grunde. "Verlockung" ist ein Entwicklungsroman von epischem Format, der den Leser in die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg entführt, in der auch in Budapest alle Zeichen schon auf Sturm standen. Kerstin Schneider János Székely: Verlockung. Verlag Schirmer und Graf, 816 S., 24,80 Euro

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