Bücherschau in Frankfurt
Veranstalter werten Buchmesse als Erfolg

Die Frankfurter Buchmesse ist ein großer Erfolg - davon gehen jedenfalls Messeveranstalter und Vertreter des Gastlandes Türkei aus. Verschiedene Aussteller warten ebenfalls mit interessanten Nachrichten auf.

HB FRANKFURT. Am Samstag herrschte in den Gängen oft kaum ein Durchkommen, als das allgemeine Lesepublikum Zugang hatte. Bereits an den ersten drei Fachbesuchertagen konnte die weltgrößte Bücherschau mit rund 158 000 Gästen ein Plus im Vergleich zum Vorjahr erzielen. Eine positive Bilanz zog auch das Gastland Türkei. Der Auftritt in Frankfurt haben vielen türkischen Schriftstellern ein Forum geboten, sich international ins Gespräch zu bringen, sagte Ümit Yasar Gözüm vom Organisationskomitee.

"Bisher haben Sie (in Deutschland) nur drei oder vier Autoren gekannt", sagte Gözüm weiter. Von den vielen türkischen Schriftstellern, "die es verdienen international bekanntzuwerden", hätten dies in Frankfurt "mindestens 30 bis 40 Autoren" wahrmachen können. Für die türkische Verlegerbranche sei sehr wichtig gewesen, sich dem internationalen Markt zu öffnen. Zudem seien Projekte angestoßen worden, um das Übersetzungsproblem anzugehen, mit dem sich Literatur aus der Türkei konfrontiert sehe.

Nach Ansicht der Istanbuler Verlegerin Müge Görsoy Sökmen konnten auch Vorurteile gegenüber ihrem Heimatland abgebaut werden. "Der Name der Türkei sollte mehr wachrufen als die bekannten üblichen Probleme." Die meisten Schriftsteller seien "einfach als Künstler" und nicht als "Sprachrohr der Regierung oder der Dissidenten" wahrgenommen worden.

Für Buchmessen-Sprecher Thomas Minkus ist der Erfolg auch wirtschaftlich messbar. "Literatur aus der Türkei ist eine Literatur, die sich in Deutschland etabliert." Nicht nur Belletristik mit dem Nobelpreisträger Orhan Pamuk als Zugpferd, auch Sachbücher wie Reiseliteratur und Bücher zu politischen und Integrationsthemen seien seit Beginn der Messe in deutschen Buchhandlungen gefragt.

Viele Verlage beklagten sich über die Zunahme von Diebstählen. "Das ist vielleicht die einzige sichtbare Auswirkung der Finanzkrise", sagte Ruth Geiger, Sprecherin des Diogenes Verlages, am Samstag.

Mit solchen Bagatelldelikten hält sich der 30 Jahre alte Gangsta- Rapper Bushido nicht auf. In seiner Biografie "Bushido" deckt er schonungslos seine kriminelle Vergangenheit auf. Durch den Erfolg fühlt er sich unangreifbar. "Ich bin der coolste Buchautor, den es zur Zeit in Deutschland gibt, und ich bringe Leute zum Lesen, die das sonst nicht machen", sagte der deutsch-tunesische Musiker selbstbewusst vor hunderten zumeist junger, weiblicher Fans. Sein Buch hat es auf Anhieb auf Platz eins der Sachbuch-Bestsellerlisten geschafft.

Grund zur Freude hatten auch mehrere Comiczeichner, die bei der Vergabe des Publikumspreises "Sondermann" zum Zuge kamen. Für den besten nationalen Comic wurde Isabel Kreitz für ihr Buch "Die Sache mit Sorge" ausgezeichnet. Der Band erzählt von dem Journalisten Richard Sorge, der im Zweiten Weltkrieg in Japan für die Sowjetunion spioniert hat. In der Sparte Cartoon setzte sich erneut Ralph Ruthe durch mit seiner neuen Folge von "Shit happens". Er hatte bereits in den vergangenen drei Jahren die Auszeichnung gewonnen.

Eine gute Nachricht kam auch aus dem Moskauer Verlag Wremja. Er wird die 30-bändige Gesamtausgabe des russischen Literatur- Nobelpreisträgers Alexander Solschenizyn auch nach dessen Tod fortsetzen. Auf den ersten Band mit Erzählungen werde jetzt der monumentale Zyklus "Das rote Rad" folgen. Das "Rote Rad" ist bislang von der Kritik in Russland und im Ausland als eher schwerfällige Literatur eingestuft worden.

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