Bundesverdienstkreuz für Wolf Biermann
Köhler ehrt den „preußischen Ikarus“

Er war ein überzeugter Bürger der DDR und gleichzeitig ein harter Kritiker des Regimes – zu seinem 70. Geburtstag hat Bundespräsident Horst Köhler das Bundesverdienstkreuz an Wolf Biermann verliehen. Der Bundespräsident lobte vor allem sein „loses Maul“.

HB BERLIN. Bundespräsident Horst Köhler hat den Liedermacher Wolf Biermann als einen „Dichter mit großer Sprachkraft“ und „politischen Entertainer mit Mut zu starken Meinungen und heftigen Irrtümern“ gewürdigt. Die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Biermann an dessen 70. Geburtstag sei der „offizielle Ausdruck des Vaterlandes“ dafür, „dass unser Land Ihnen, Wolf Biermann, etwas ganz besonderes zu verdanken hat“, sagte Köhler am Mittwoch im Schloss Bellevue.

Den Orden gebe es „für eine entschiedene Stimme, für einen Mann mit Profil, mit Ecken und Kanten, dessen Wort Fronten klärt – solche Stimmen braucht unser Land“. Biermann nehme eine besondere Stellung ein in der deutschen Literatur, „ja in der deutschen Kultur und auch in der deutschen Politik“. Was könne man von einem Dichter besseres sagen, als dass manche seiner Zeilen zum Volksgut geworden sind, meinte das Staatsoberhaupt.

Als Biermann im November 1976 zu dem Kölner Konzert anreiste, nach dem er dann aus der DDR ausgebürgert wurde, habe er sich zwischen alle Stühle gesetzt. Er sei ein überzeugter Bürger der DDR und ein deutscher Kommunist gewesen und habe gleichzeitig die DDR kritisiert „so scharf und angriffslustig und ebenfalls so überzeugend, wie es – aus linker Perspektive! – keiner zuvor öffentlich getan hatte“ – und das alles „mit losem Maul“.

Köln sei mehr als ein Konzert gewesen, meinte Köhler. „Das war ein Ereignis, das das politische Deutschland in beiden Teilen ins Herz traf und irritierte – und das war ein Ereignis, das für die deutsche Kulturnation von kaum zu überschätzender Bedeutung war und ist“. Die Einheit der deutschen Nation sei von einem Linken auf die Tagesordnung gesetzt worden. Biermann habe von sich gesungen als dem „preußischen Ikarus“, dem der Flug in die andere Hälfte des Vaterlandes immer wieder verwehrt worden sei. Er „sang und redete von dem Schmerz der deutschen Teilung, vom Vaterland, von den Wunden, die nicht zugehen wollen“.

Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) würdigte in seinem Glückwunsch für Biermann dessen Lebensleistung. Er hob hervor, dass der Liedermacher über Jahrzehnte hinweg „von den DDR-Behörden drangsaliert und gedemütigt“ worden sei und dabei Eingriffe in seine persönliche Lebensführung habe erdulden müssen. „Die Art und Weise Ihrer 'Ausbürgerung' 1976 war besonders perfide und kam einer moralischen Bankrotterklärung des SED-Regimes gleich.“ Ihn persönlich erfülle es mit Genugtuung, „dass es die Freiheit der Kunst und des Künstlers waren, durch deren Unterdrückung die Unmenschlichkeit der DDR damals besonders augenfällig wurde“, sagte Neumann.

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