Bundesverdienstkreuz-Verleihung
Biermann rechnet bei Ehrung mit „totalitärem Pack“ ab

Der Liedermacher Wolf Biermann ist an seinem 70. Geburtstag von Bundespräsident Horst Köhler mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden. Bei der Gelegenheit rechnete Biermann in der ihm eigenen Deutlichkeit mit seinen früheren Widersachern in der DDR ab.

HB BERLIN. Biermann sagte, er betrachte das Bundesverdienstkreuz als eine Auszeichnung „für all die tapferen Namenlosen, für all die Bedrückten, Bedrängten und Erniedrigten, die etwa mein Lied „Ermutigung“ im VEB-Knast sangen, Frauen und Männer also, die sich in der DDR tapfer gewehrt haben“. Ohne solche Menschen hätte er gegen das „totalitäre Pack“ keine Chance gehabt.

Er habe auch das lehrreiche Privileg gehabt, in zwei deutschen Diktaturen zu überleben, betonte Biermann. „Uns gebrannten Kindern jedenfalls ist die unvollkommene, ja sogar eine kränkelnde Demokratie lieber als jede vollkommene und kerngesunde Diktatur.“

Köhler überreichte Biermann das Bundesverdienstkreuz „in Anerkennung der um Volk und Staat erworbenen besonderen Verdienste“. Er würdigte den Liedermacher als einen „Dichter mit großer Sprachkraft“ und „politischen Entertainer mit Mut zu starken Meinungen und heftigen Irrtümern“. Am Donnerstag war der 30. Jahrestag der Ausbürgerung Biermanns aus der DDR am 16. November 1976.

An der Ordensverleihung und dem Essen für etwa 40 Familienangehörige, Freunde und Weggefährten nahmen unter anderem Bundestagspräsident Norbert Lammert, der israelische Botschafter Shimon Stein, die Schriftsteller Ralph Giordano und Günter Kunert, WDR-Intendant Fritz Pleitgen und die Leiterin der Stasi- Unterlagenbehörde, Marianne Birthler, teil.

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