Canaletto
Venedig-Ansichten mit Wasser sind am teuersten

Seit einer Generation waren nicht mehr so viele gute Venedig-Ansichten in einer Ausstellung versammelt wie derzeit in der Londoner Nationalgalerie. Die Panoramagemälde von Canaletto, seinem Neffen Bellotto und den Rivalen Marieschi und Guardi waren und sind Hobby der Reichen und Privilegierten. Auf dem Kunstmarkt bringen sie bis zu 33 Mio. Dollar.
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LONDON. Kunstkauf im 18. Jahrhundert bei Konsul Smith in Venedig war in etwa so wie man heute in einer Larry Gagosian Dependance vorbeischaut. Die "Grand Tour" der englischen Adligen von Paris über Rom Neapel und zurück über Venedig mag Jahre gedauert haben. Aber in den Spielclubs und Ballsälen von Venedig traf man sich nicht anders als heute in den VIP-Lounges der Kunstmessen in Miami Beach, Basel oder London. Man versorgte sich mit Tipps und Klatsch, gab mit seinen Kunstkäufen an und ließ sich bei Konsul Smith auf die Warteliste von Meister Canaletto setzen.

Adelige Tastemaker

Der Duke of Bedford bestellte sich 1731 ein Konvolut von 24 Bildern - die heute noch im Speisezimmer der Bedfords in Woburn Abbey hängen. Sein Schwager, Charles Spencer, Duke of Marlborough, folgte dem Beispiel und bestellte über Konsul Smith 20 Kleinformate. Zwei von ihnen hängen nun in der wunderbaren Ausstellung der Londoner Nationalgalerie. Zwei andere sollten im Oktober in Mailand bei Sotheby's versteigert werden - und gingen zurück. Das Canal Grande-Motiv hatte eine Taxe von 2 bis 3 Mio. Euro, die Darstellung des Campo San Geremia hätte man ab 1,5 Mio. Euro haben können - denn ohne Wasser und Gondeln sind Venedigansichten weniger Wert.

Die Canaletto-Preise steigen kontinuierlich

Auch der Canaletto-Markt geht durch Höhen und Tiefen. Im späten 19. Jahrhundert waren seine Bilder billiger als die Venedig-Veduten (Stadtansichten) seiner späteren Nachahmer. Aber die Lust auf Bilder vom Alltag oder dem Festtag in der Lagunenstadt hält bis heute an. Seit den 1960er-Jahren stiegen die Preise für Canaletto mit wenigen Ruhepausen. Heute ist er nicht nur der begehrteste Vedutenmaler, sondern der Inbegriff eines "Altmeister Blue Chips".

Fast so teuer wie Rembrandt

In der Liste der 20 teuersten Altmeistergemälde im Auktionshandel taucht Canaletto so oft wie Rembrandt auf - drei Mal und der Preisunterschied ist kleiner als man denkt: Der teuerste Rembrandt, 2009 bei Christie's versteigert, kostete 20 Mio. Pfund oder 33 Mio. Dollar. Canalettos Spitzenpreis von 18,6 Mio. Pfund oder 32,5 Mio. Dollar wurde 2005 für die Canal Grande-Vedute bezahlt, die der britische Premier Robert Walpole 1731 durch seinen Sohn in Venedig kaufen ließ - bei Konsul Smith. Das Pendant, das Lagunenmeer mit der Dogenbarke Bucintoro, war Rekordhalter, als es 1993 in Paris 11 Mio. Dollar erzielte. Anders als bei fast allen anderen Altmeistern ist das Angebot von Canalettos gut, der Markt ist flüssig und wer Geld hat, kann wählerisch sein.

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