Caravaggio
Auf den Spuren eines malenden Wüstlings

Kaum ein anderer Künstler aus der Altmeisterriege wirkt so modern wie Michelangelo Merisi aus Caravaggio, dem das Düsseldorfer museum kunst palast erstmals eine große Ausstellung in Deutschland widmet.

DÜSSELDORF. Spektakulär waren seine Gemälde, skandalumwittert sein Leben, das mit einem rätselhaften Tod vor den Toren Roms 1610 nach höchstens 39 Jahren endete. Dazwischen lagen eine steile Karriere dank einflussreicher Gönner, Saufgelage, Gewalttätigkeiten und sexuelle Ausschweifungen. Gesicherte Daten – Fehlanzeige. Genug Stoff für Legenden. Und dann die Gemälde: abgeschlagene Köpfe in abstoßendem Realismus, unbekleidete Jünglinge in aufreizenden Posen, einfache Menschen in der Rolle von Heiligen, Schergen in monumentaler Untersicht, die dem Priester ihre schmutzigen Füße entgegenstrecken. Mit so provokanten Bilderfindungen ließ sich Karriere machen.

So beliebt waren die Werke des jungen Lombarden, dass sie schon früh in eigenhändigen Variationen, Werkstattwiederholungen oder Kopien von fremder Hand verbreitet wurden. Weil die Düsseldorfer diese Fragen zum Thema machen und sie auch dem Laien vermitteln können, ist die Schau sehenswert. Ein Blockbuster ist sie jedoch nicht.

An der intensiv im Rahmen der Quadriennale beworbenen Veranstaltung zeigt sich das Dilemma des modernen Ausstellungswesens. Das Kunstmuseum mit seinem Sammlungsschwerpunkt auf der Düsseldorfer Malerschule gehört nicht zu den ganz Großen im internationalen Ausstellungsgeschäft. In der weltweiten Tauschwirtschaft der Museen können die Rheinländer aus dem Altmeisterbereich daher wenig bieten.

Und so hingen am Vernissageabend 32 Gemälde an den Wänden. 14 davon waren Originale, darunter einige Neuzuschreibungen, die sich erst noch unter den Kritikeraugen beweisen müssen. Andere Bilder waren wegen Schwierigkeiten mit den italienischen Behörden überhaupt noch nicht eingetroffen, einiges, obwohl fest eingeplant, wird wohl auch nicht mehr kommen, wie der „Ecce Homo“, der in Italien beschlagnahmt wurde. Dem Sehvergnügen tut das jedoch keinen Abbruch. Die Düsseldorfer haben aus der Not des knappen Œuvres und der schlechten Verfügbarkeit von Originalen eine Tugend gemacht und beleuchten ein Thema, das nicht nur den Künstler und Selbstvermarkter Caravaggio besser verstehen lässt, sondern auch das Verhältnis des Barocks zur Kopie und zur Werkstattarbeit. Denn was heute oft als minderwertig missverstanden wird, stand seinerzeit in hohem Ansehen. Der „Tod der Jungfrau Maria“ etwa, für das prominent die Stirnwand des ersten Saales reserviert ist, wurde sehr bald nach dem Tod Caravaggios von dem berühmten Künstlerkollegen Simon Vouet kopiert. Von „Johannes der Täufer“, je nach abgebildeten Attributen auch „Knabe mit Widder“ genannt, ist im zweiten Saal gleich eine Hand voll Versionen von eigener und fremder Hand zu sehen. So eine Chance zum direkten Vergleich wird sich wohl kaum ein zweites Mal bieten. Besonders reizvoll wird dieses Motiv durch die direkt gegenüber liegende Hängung des „Amor als Sieger“, für den der gleiche Werkstattgehilfe aufreizend Modell stand. Bestes Studienbeispiel ist der ebenfalls in mehreren Fassungen und mit jeweils unterschiedlichen Zuschreibungen vertretene „Heilige Franziskus, meditierend“, der für das Auge beides zugleich ist: Freude und Schule.

Bis 7.1., Kat. HatjeCantz 24,50 Euro www.museum-kunst-palast.de

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