Carsten Höller
Mit der Magie und dem Zaubertrank spielen

Carsten Höller inszeniert ein aufwendiges Spiel, das die Phantasie des Besuchers befeuern soll. Für spektakuläre Projekte ist der belgische Künstler bekannt – erst 2006 mobilisierte er Massen an Besucher im Tate Modern zu einer Rutschpartie.
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BERLIN. Der belgische Künstler und Naturwissenschaftler Carsten Höller ist immer wieder für eine neue Überraschung gut. Mit spektakulären Projekten und publizitätsträchtigen Auftritten hat er sich in den letzten zehn Jahren weltweit in Museums- und Galerieausstellungen einen Namen gemacht. Die zwei Riesenrutschen in der Turbinenhalle der Londoner Tate Modern haben 2006 mehr Besucher als jede andere Kunstshow mobilisiert. Pilze in allen Größen und Formationen sind sein Markenzeichen, und als Kanarienvogelzüchter hat er die wohlige Wirkung dieser Singvögel in Foto-Graphiken ausgeschöpft.

Der habilitierte Biologe Höller übt Wissenschaftskritik

Auch sein jüngstes Projekt, ausgebreitet im Hamburger Bahnhof, gefördert vom Freundeskreis der Berliner Nationalgalerie, hat bereits im Vorfeld Furore gemacht. Die Ausstellung „Soma“ besteht aus Riesenpilzen, Pilzvitrinen, Mobiles mit Kanarienvögeln, einem rotierenden Bett, Vitrinen mit Mäusen und Fliegen, Urinbehältern und zwölf auf Sägespänen weidenden Rentieren.

Die Arbeit ist ebenso bildkräftig wie spekulativ. Der Titel bezieht sich auf einen 5000 Jahre alten Heiltrank, der Glückseligkeit verheißt und immer wieder Gegenstand von Mythen und Spekulationen war. Höller versucht, diesen Trank auf natürlichem Weg wiederzugewinnen: als aufgefangener Urin der Rentiere, die mit Fliegenpilzen gefüttert werden. Die halluzinogene Wirkung dieses Giftpilzes ist seit 1995, als Höller sie für seine Ausstellung „Gift“ selbst probierte, ein Thema seiner Kunst.

Die Berliner Ausstellung selbst hat keinerlei berauschende Wirkung. Sie bedient sich auf pseudo-wissenschaftliche Weise eines Mythos, ohne dessen Geheimnis zu lösen. „Wir wollen nicht Soma finden“, betont Höller: „Wir wollen nur Reize schaffen.“

Doch das geschieht mit einem Riesenaufwand, der erhebliche logistische Vorarbeit bedingte. Die Basilika des Hamburger Bahnhofs ist eine zweigeteilte Weide, in der ein schmaler Mittelweg auf ein Bettplateau zuführt. Auf diesem Hochsitz kann sich jede Mittwochnacht ein betuchter Kunstfan für 1 000 Euro einmieten und die Rentiere belauern oder mit Taschenlampe durch das nachtdunkle Museum schweifen. Schon das ist ein Werbegag, der mit jener Aura des Magisch-Extraordinären spielt, die auch die Ausstellung selbst umweht.

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