Casa di Goethe
Kleines Museum mit großen Plänen

Dank finanzieller Unterstützung durch den deutschen Staat erhält das Goethe-Haus in Rom neue Räume. Zur  Einweihung zeigt das Museum Originalzeichnungen des Dichters aus dem Bestand der Klassik Stiftung Weimar. Ein schöner Auftakt für hochgesteckte Ziele. Die Casa di Goethe möchte Anziehungspunkt für die internationale Forschung werden.
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RomIn Krisenzeiten ist die Nachricht einer Museumserweiterung eine kleine Sensation. Deshalb weiß die Casa di Goethe in Rom sich auch glücklich zu schätzen. Der deutsche Staat öffnete die Geldbörse und das nicht zu knapp. 3,2 Millionen Euro hat die Wohnung gekostet, die über den bisherigen Räumen des kleinen Goethe Hauses zum Verkauf stand. Da hieß es zuzugreifen und die einmalige Gelegenheit zur Erweiterung nutzen, zumal das Haus mit seinen 500 Quadratmetern chronischen Platzmangel beklagte.

In der 1997 gegründeten Casa di Goethe lebte Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) während seiner Italienreise (1786-1788) in einer Art Wohngemeinschaft mit dem Maler Johann Heinrich Wilhelm Tischbein und anderen deutschen Künstlern. Das Haus gilt als Deutschlands einziges Museum im Ausland. Die Mittel zu seiner Erweiterung stellte der Deutsche Bundestag zur Verfügung. Für die Umbauarbeiten fielen weitere 534.000 Euro an. Zwei Drittel davon bezahlte der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM), Finanzier des Hauses, ein Drittel die Casa di Goethe, deren Träger der Arbeitskreis selbständiger Kultur-Institute e.V. (AsKI) in Bonn ist.

Was die Deutschrömer lasen

Nun warten die frisch renovierten Räume auf die Wissenschaftler. Denn hier soll – auf Goethes Spuren – geforscht werden, vor allem in der Bibliothek. Sie ist zwar klein, aber fein, denn es handelt sich um den Altbestand der 1821 gegründeten deutschen Künstlerbibliotheken zu Rom und damit um ein bedeutendes Zeitdokument.

Die Bibliothek, die um die Jahrhundertwende noch 344 Bände enthielt, wuchs mit der Zeit auf einen Bestand von 6.000 Exemplaren. Er spiegelt die Leseinteressen der Deutschrömer des 19. Jahrhunderts wider. In den letzten Jahrzehnten waren die Bücher auf verschiedene deutsche Institute verteilt. Nun sind sie endlich vereint und auf das Goethe-Haus kommt eine Menge Arbeit zu. Denn bevor es die Buchsammlung Wissenschaftlern und Öffentlichkeit zur Verfügung stellt, muss es sie wissenschaftlich erschließen.

Internationaler Anziehungspunkt

Die Casa di Goethe besitzt jedoch noch ein weiteres bedeutendes Zeitdokument, den Nachlass des 1845 in Rom gegründeten deutschen Künstlervereins. Zusammen mit der Bibliothek hat das Haus damit das Potential, wirklich zu einem wichtigen Anziehungspunkt für die internationale Forschung zu werden, wie es so schön im Presseschreiben heißt.

Vorerst präsentiert sich die künftige Hochburg der Forschung indes nur als viel versprechende Hülle. Zur Feier der Erweiterung zeigt das Haus, seiner Berufung gemäß, Werke von Goethe. Die Idee mag nicht von größter Originalität zeugen, wohl aber die zur Auswahl gelangten Arbeiten: Goethes Zeichnungen mit Italienmotiven, die die Klassik Stiftung Weimar vorübergehend nach Rom entsandt hat. Sie sind eine Augenweide.

Goethes Zweifel 

Goethe war ein eifriger Zeichner. Dass er auch ein begnadeter war, offenbart diese Schau. Sie präsentiert erstmals eine engere Auswahl, 51 von rund 900 Goethe-Zeichnungen mit italienischen Motiven. Der Dichter, der sonst nicht der Inbegriff von Bescheidenheit war, zweifelte an seinen Fähigkeiten auf dem Gebiet der Bildenden Kunst. 1776 schrieb er an Frau Stein: „Ich habe viel gezeichnet sehe nur aber zu wohl dass ich nie Künstler werde“.

Die Zeichnungen, ob Landschaften, Architektur- oder Anatomiestudien, zeugen hingegen von einer besonderen Gabe. Goethe erfasste Italien mit einem inneren, gefühlsmäßigen Auge und zugleich mit distanziert „deutschem  Blick“. Es  sind Momentaufnahmen und doch überlegte, sorgfältige Studien. Die Zeichnungen muten wie sachliche Eindrücke an und in manchen scheint Goethe gar die Abstraktion vorwegzunehmen. Das rückt Goethe, den Gelegenheitsmaler, in die Nähe eines der größten Landschaftsmaler seiner und aller Zeiten: William Turner.

Die Ausstellung der italienischen Zeichnungen Goethes läuft bis 9. Dezember.

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