Chancen und Risiken der Migration
Leben in der Parallelgesellschaft

Zuwanderung und Integration sind nicht nur in Deutschland, sondern auch in vielen anderen Ländern Europas zu wichtigen Themen auf der politischen Agenda geworden. Wir stellen Ihnen zwei neue Bücher vor, die sich mit den Chance und Risiken der Migration nach Europa auseinandersetzen.

DÜSSELDORF. "Besuchen Sie Europa (solange es noch steht)." 1983 landete die Neue-Deutsche-Welle-Combo Geier Sturzflug damit einen Riesenhit. Damals beherrschte die Nato-Nachrüstungsdebatte die politische Diskussion, und die Friedensbewegung malte das Gespenst eines nuklearen Krieges an die Wand. Unweigerlich muss man bei der Lektüre des neuen Buches von Walter Laqueur an die Zeilen dieses Liedes denken.

Für den renommierten Historiker sieht die Zukunft Europas angesichts schwindender politischer und wirtschaftlicher Bedeutung alles andere als rosig aus. Demographie und Zuwanderung sind für Laqueur die Folien, vor denen er verschiedene Szenarien entwirft, wie sich Europa in den kommenden Jahrzehnten entwickeln könnte.

Die Zahlen sprechen bereits eine deutliche Sprache: So sank der Anteil Europas an der Weltbevölkerung kontinuierlich von 25 Prozent im Jahre 1900 auf zwölf Prozent im Jahre 1950. Mitte des 21. Jahrhunderts wird er allenfalls noch zwischen vier und fünf Prozent betragen. Länder wie Deutschland, Spanien oder Italien erleben einen dramatischen Bevölkerungsrückgang, mit allen Konsequenzen für die Arbeitsmärkte und die sozialen Sicherungssysteme.

Um die Alterspyramide wieder ins Gleichgewicht zu bringen, bräuchte Europa im Zeitraum von 1995 bis 2050 nicht weniger als 700 Millionen Einwanderer, so jedenfalls steht es im UN Replacement Migration Report. "Doch solche Zahlen gehören weitestgehend ins Reich der Phantasie", das weiß auch Laqueur. Denn in Sachen Zuwanderung und Integration läuft schon jetzt einiges schief.

Als Geschichtsprofessor betrachtet Laqueur das Phänomen der Zuwanderung in einem größeren historischen Kontext, wobei er feststellt, dass es Wanderungsbewegungen nach Europa schon immer gegeben hat. Doch eines unterscheidet die früheren von den aktuellen Zuwanderergruppen grundlegend: "Sie waren sehr um soziale und kulturelle Integration bemüht", schreibt Laqueur. Dagegen lebten gegenwärtig viele der Immigranten und ihre Kinder in Parallelgesellschaften, "abgesondert von den Mehrheitsgesellschaften der Gastländer".

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