Charlotte Roche & Co.
„Zu 90 Prozent ist ein Besteller machbar“

Die perfekte Bastelanleitung für einen Bestseller gibt es nicht. Gleichwohl aber eine Menge hilfreiche Kniffe und Tricks, mit denen Werbeprofis Charlotte Roche & Co. auf die Bestsellerlisten katapultieren
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BerlinKlaus Kluge lässt schon mal ein Auto in Flammen aufgehen, wenn es dem besseren Verkauf eines Buches dient. Der Geschäftsführer von Bastei Lübbe, unlängst ausgezeichnet mit dem „Sales Award 2010“ für außergewöhnliche Leistungen in Verkauf und Vertrieb - insbesondere für seine „spektakulären Inszenierungen neuer Autoren“, ist an Einfallsreichtum kaum zu überbieten.

„Es muss auf jeden Fall zu Buch und Autor passen“, sagt er, wenn er spannende Textpassagen nachspielen lässt oder - vergleichsweise harmlos - für das Buch „Paganinis Fluch“ von Lars Kepler eine Geigenspielerin in Buchläden schickt. Patentrezepte für die Herstellung eines Bestsellers gibt es seiner Meinung nach zwar nicht, aber einige wichtige Faktoren, die häufig zum Erfolg führen.

„Zeitungsanzeigen sind der Weg zum Glück heutzutage nicht“, meint Kluge. Wichtiger sei die passende Gesamtstrategie, und dann müssten alle an einem Strang ziehen. Da wäre zum Beispiel der Autor: Wenn der bereit ist, sich für PR und Werbung entsprechend inszenieren zu lassen, sei schon viel gewonnen. „Er muss aber auch der Typ dazu sein“, meint Kluge, „sonst geht das nach hinten los“. Einen eher öffentlichkeitsscheuen Dan Brown ins Neonlicht der Buchmesse zu bitten, sei weniger passend. „Ken Follett hingegen macht nachts um drei in der Bar noch eine gute Figur und bezaubert die Menschen.“

Wer hier an den aktuellen Bestseller von Charlotte Roche denkt, befindet sich auf der richtigen Spur. „Wir wären ja dumm gewesen, wenn wir ihre Ausstrahlung und ihr Charisma nicht genutzt hätten. Sie ist ein absoluter Medienprofi und praktisch im Fernsehen groß geworden“, sagt Eva Brenndörfer vom Piper-Verlag, in dem „Schoßgebete“ erscheint.

Daher wurde auch kaum klassische Werbung, sondern ausschließlich PR gemacht. „Wir hatten einen genauen Plan“, verrät sie. Erst kurz vor dem Erscheinungstermin wurden einige „Leitmedien“ („Der Spiegel“, „Die Zeit“ und die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“) mit Exklusiv-Interviews ins Boot geholt, danach wurden Fahnen an weitere Journalisten verschickt, dann folgten TV-Auftritte bei Markus Lanz, Sandra Maischberger, Stefan Raab und weiteren. Jetzt geht Roche auf Lesereise. Fast 600.000 Exemplare habe man bereits verkauft. Der Plan scheint aufzugehen.

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„Wer Beckmann früh im Boot hat, braucht nichts zu machen“

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