Chigao will nicht länger im Schatten von New York stehen Die Wilde Zwiebel und der Blues

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Sogar die Parkhäuser haben Klasse in Chicago. Die Wagen werden in einem runden Turm so geparkt, dass ihre Vorder- und Rückseiten mit der Architektur ein rhythmisches buntes Muster ergeben.

Apropos Rhythmus. Diese Stadt hat ihn, den authentischen Blues. Die Stadt hat nicht nur deutsche und polnische Immigranten angezogen, sondern auch Schwarze aus dem Süden. Sie klingt und vibriert deshalb anders als New York, das vom Cool Jazz angetrieben wird. Chicago swingt an allen Ecken, besonders in Vierteln wie Wicker Park oder River North. Aber auch im Zentrum. Zum Beispiel im „Blue Chicago“, einem der besten Clubs. Hier rollt Mama Mojo mit den Augen, seufzt, stützt sich beim Aufstehen schwer auf den wackelnden Holztisch, an dem sie gerade erklärt hat: „The Blues is a Feeling“.

„Wer hat hier heute Abend ein gebrochenes Herz?“ fragt die Königin des Blues in die Runde. Spontan schnellen Hände hoch. Und dann tönt es rauchig-melancholisch tief aus dem körperwarmen Resonanzboden: „For members only tonight“. Nur für Mitglieder heute Abend, aber „Bringt nicht eure Scheckbücher mit, nur eure Herzen.“ Klingt verdammt gut und so tröstlich.

Auf dem nächtlichen Heimweg durch die glitzernden Straßenschluchten vertreibt eine Brise das Nachbeben von Blues und Whisky. The Windy City, die windige Stadt, heißt Chicago auch. Die Stürmische, die Schöne.

Der große amerikanische Architekt Frank Lloyd Wright, der stets Licht und Wind in seine Arbeiten einband, schwärmte für die „Wilde Zwiebel“: „Irgendwann wird Chicago die letzte schöne Großstadt der Welt sein.“

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