China
Dämpfer für den Porzellanmarkt

Führende Auktionshäuser   haben begonnen, die Zahlungsmoral chinesischer Kunden mit neuen Auflagen zu disziplinieren – und haben dem überschäumenden Markt für chinesisches Porzellan damit bereits einen Dämpfer gesetzt.
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LondonSotheby’s jüngste Hongkong-Serie setzte mit einer Gesamteinnahme von umgerechnet 447 Millionen US-Dollar eine neue Rekordmarke und zeigte, wie robust die Nachfrage nach Kunst und Luxus aus dem Osten bleibt. Aber der Flop der Meyintang-Sammlung versetzte dem an Höhenflüge gewöhnten Keramik-Markt einen Schock. „Das war nicht, was wir erwartet hatten“, gab Sotheby’s Sprecher Matthew Weigman zu, nachdem die auf 91 bis 137 Millionen US-Dollar geschätzte Auktion nur 51 Millionen US-Dollar einspielte und die Spitzenlose unverkauft blieben.

Giuseppe Eskenazi, der führende Händler, der ein Katalogvorwort schrieb und den Schweizer Einlieferern viele der besten Stücke verkaufte, sieht es anders: „Es war kein Flop. Es wurden einige riesige Preise bezahlt auch für das Hauptlos.“ Ein chinesischer Sammler bezahlte unmittelbar nach der Auktion 200 Millionen HK-Dollar – über 23 Millionen US-Dollar – dafür. „Aber die Auktionen waren für manche wie ein Kasino. Es musste etwas getan werden.“

Sotheby’s schloss vor der Auktion durch eine besonders rigorose Durchsetzung seiner „Premium Lot“-Bedingungen eine ganze Gruppe von Käufern vor allem vom chinesischen Festland praktisch von der Auktion aus. Dass die Bonität von Bietern bei Hochpreislosen streng geprüft wird, ist nicht neu. Sotheby’s Sprecher Weigman wollte nicht sagen, ob die in Hongkong nun verlangte „Kaution“ in Höhe von 1 Million US-Dollar (8 Millionen HK-Dollar) eine Verschärfung der Bedingungen darstellte.

Auffallend war aber schon, wie deutlich Auktionator Henry Howard-Sneyd während des Bietens zweisprachig sicherstellte, dass Bieter ihre „Premium Bietpaddel“ sichtbar hochstreckten. Bezeichnend war, dass den höchsten Preis in der Auktion der Londoner Händler James Hennessy bezahlte: 6,6 Millionen Dollar für ein Xuande-Pinselgefäß.

Sotheby’s reagierte mit dieser Verschärfung auf eine Serie gescheiterter Auktionsverkäufe. Der säumige Chinese, der im Londoner Vorort Auktionator Bainbridge 53 Millionen Pfund auf eine Qianlong-Vase bot und nicht bezahlte, war nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Ein vertragsbrüchiger Bieter ließ Christie’s bereits bei einem Hochpreislos der Yves Saint Laurent/Pierre Bergé-Auktion 2007 in Paris sitzen.

Bei Sotheby’s wurden teuer versteigerte Stücke der Sammlung J. T. Tai nicht bezahlt – nicht nur die im März in New York gebotenen 18 Millionen Dollar für eine auf 800 bis 1200 Dollar geschätzte Emaillevase, die nach Ansicht der meisten Experten korrekt katalogisiert, also falsch war. „Auch wenn sie echt wäre, wäre es ein verrückter Preis gewesen“, sagt Giuseppe Eskenazi. Nach zuverlässigen Quellen wurde auch die von der angesehenen Hongkonger Sammlerin Alice Cheng im Oktober für 32 Millionen Dollar ersteigerte Qianlong-Vase nicht bezahlt.

Englische Provinzhäuser, wo Ausreißerpreise bei chinesischen Losen nun die Regel sind, wollen in Zukunft für teure Lose Anzahlungen fordern. Der Pariser Experte Pierre Ansas verlangte für das Bieten auf ein kaiserliches Rollenbild der Qianlong-Dynastie eine Anzahlung von 200.000 Euro, wohl wissend, dass der Kreis der Bieter dadurch eingeschränkt wurde. „Lieber verkaufe ich es für 8 Millionen an jemand mit Geld in der Bank als für einen verrückten Preis an jemand, den ich nicht kenne“, sagte er der Nachrichtenagentur Bloomberg. Preise für chinesische Keramik seien extrem hoch und würden es auch bleiben, betont Eskenazi. „Wenn die Auktionshäuser nun durchgreifen, kann das dem Markt nur nützen.“


Matthias Thibaut ist Korrespondent in London.
Matthias Thibaut
Handelsblatt / Korrespondent

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