Christie's
Altdeutsche Kunst mit akutem Nachholbedarf

Die altdeutsche Kunst stand lange im Schatten. Das ändert sich gerade. Ihre kraftvolle Bildsprache und ihr vergleichsweise erschwingliches Preisniveau locken die Sammler.

LondonIm Juni und Juli erzielte deutsche Kunst in den Londoner Auktionen in allen Bereichen außerordentlich hohe Preise: von dem großartigen August-Macke-Rekord in Christie's Moderne-Auktionen (vier Millionen Pfund) bis zu dem Silberrekord für den sogenannten "Hanover Chandelier" (5,8 Millionen Pfund). Bonhams steuerte einen weiteren Rekordpreis bei, als in der Versteigerung von Tabaksdosen aus der Sammlung Helmut Joseph eine Meissener Augustus-Rex-Dose mit sächsischen Schlossansichten nach Gemälden von Bellotto ihren Schätzpreis von 100.000 bis 150.000 Pfund stehen ließ und mit 860.000 Pfund allein so viel brachte wie die Schätzung der gesamten Sammlung.

Die aktuelle Häufung von Rekorden ist Zufall. Aber hinter weiteren bemerkenswerten Zuschlägen für deutsche Kunst steckt verstärktes Interesse an der Kunst des Mittelalters und der Renaissance aus deutschen Landen. Bei Sotheby's bezahlte der New Yorker Händler Otto Naumann einen Rekordpreis für ein Altarbild des Nördlinger Malers Hans Schäufelein (2,7 Millionen Dollar). Naumann hatte schon im März in seiner edlen Maastrichter Messekoje neben Rembrandt und van Dyck auch das restituierte Porträt "Sigmund Baldinger" des deutschen Malers und Holzschneiders Georg Pencz (gemalt um 1545) für zwölf Millionen Dollar angeboten.

Der Londoner Händler und Sammler Rainer Zietz hatte zuvor bei Christie's mit 770.250 Pfund die sechsfache Taxe bewilligt für eine "Verkündigung" - gemalt von Jacob van Utrecht, dem Stadtmaler Lübecks.
In Sotheby's Skulpturenauktion lag zum ersten Mal seit Jahren wieder eine deutsche Holzskulptur ganz vorne: Das aus dem Badischen Landesmuseum in Karlsruhe restituierte oberrheinische Relief eines "Marientods", taxiert auf 60.000 bis 80.000 Pfund, wurde auf 529.250 Pfund gesteigert. Ein stolzer Preis für ein Kunstwerk, bei dem nicht alle Kenner überzeugt sind, dass es aus dem 15. Jahrhundert stammt. Der Preis signalisiert keinesfalls, dass nun ein Run auf Holzplastik beginnt: Andere Lose blieben bei ihren moderaten Schätzungen oder wurden nicht verkauft.

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Dürer spielt bei Christie's die Hauptrolle

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