Christie's
Der Marktanteil am Privatgeschäft wächst

Das Auktionshaus Christie’s hat seine Halbjahresbilanz vorgelegt. Die Zahlen spiegeln nicht nur den Boom für Spitzenkunst. Sie zeigen auch, dass der Versteigerer immer mehr Marktanteile im Handel gewinnt. Verantwortlich sind neue Marketing-Strategien und eine weitreichende Beratung der Kunden.
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LondonChristie’s konnte es sich nicht verkneifen, nach einem weiteren Halbjahr steigender Umsätze mit einer Pressemitteilung auf seine Erfolge hinzuweisen. Zwar hatte Sotheby’s mit Munchs „Schrei“ für 120 Millionen Dollar  den Rekordpreis der Saison. Christie’s wurde mit einem Gesamtverkauf von Kunst und Antiquitäten für 2,2 Milliarden Pfund (3,5 Mrd. Dollar) nicht nur Saisonsieger, sondern spielte ein historisches Allzeithoch ein – vor allem in Pfund. In Dollar liegt die Saison gleichauf mit dem bisherigen Markthöhepunkt des ersten Halbjahres 2008. Damals wurden 1,8 Milliarden Pfund eingenommen, die aber vor der Finanzkrise noch 3,5 Milliarden Dollar entsprachen. Teuerstes Werk war Mark Rothkos „Orange, Red, Yellow“, das im Mai in New York 87 Millionen Dollar einspielte.

Gegenüber dem ersten Halbjahr 2011 beträgt die Steigerung 13 Prozent. Dabei macht der Anteil aus dem Auktionsgeschäft 1,8 Milliarden Pfund oder 2,8 Milliarden Dollar aus. Der Rest entfällt auf Privatgeschäfte. Sotheby’s hat nach den bisher vorliegenden Informationen für Aktionäre weltweit Kunst für 2,5 Milliarden Dollar versteigert.

Boom für teuerste Spitzenkunst

Diese Erfolge spiegeln aber nicht global wachsende Kunstpreise wieder. In Hongkong etwa ging es gegenüber dem Vorjahreszeitraum etwa zurück, während die Contemporary-Auktionen in New York und London auf Rekordniveau lagen. Aber diese Zahlen bezeugen den Zuwachs an Einfluss und Marktanteilen für die Auktionshäuser und den Boom für die teuerste Spitzenkunst. Bezeichnenderweise ging die Zahl der Kunstwerke, die über der Kennmarke von 1 Million Dollar lagen, bei Christie’s gegenüber 2011 von 376 auf 340 zurück. Dagegen stieg die Zahl der Werke im absoluten Spitzenbereich über 10 Millionen Dollar von 18 auf 26.

Geschäfte am Auktionsbetrieb vorbei

Noch bezeichnender ist der rasante Zuwachs beim Privatgeschäft der Auktionshäuser, bei dem wichtige Einzelbilder am Auktionsbetrieb vorbei direkt von alten an neue Besitzer vermittelt werden. Hier stiegen die Umsätze in diesem Halbjahr bei Christie’s um 53 Prozent auf 413 Millionen Pfund; im Vorjahr betrug das Wachstum 59 Prozent. Seit fünf Jahren wird dieser Geschäftszweig forciert und stellt nun bereits ein Fünftel des gesamten Kunstumsatzes bei Christie’s dar.

Hier wird nicht nur das Risiko des Auktionsverkaufs vermieden. Auch die am Auktionsbetrieb geschätzte Transparenz öffentlich erzielter und veröffentlichter Preise schwindet. Fallende Preise für bestimmte Werkgruppen können kaschiert werden. Entscheidungen, ob ein Werk privat vermittelt oder versteigert wird, geben den Auktionshäusern strategische Flexibilität. Nicht selten wird mit einer dritten Partei vorab eine Abnahmegarantie ausgehandelt. Der Garant erhält, wenn das Werk in der Auktion über seinen Preis gesteigert wird, dafür eine Finanzierungsprämie – also ein Zwischenschritt zwischen Auktion und Privatverkauf. Unter den teuersten Werken im Privatgeschäft war der aus der Londoner Moderneauktion im Juni zurückgezogene Renoir, der auf um 18 Millionen Pfund geschätzt war, dann aber auf Wunsch des Einlieferers vor der Auktion direkt verkauft wurde.

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