Christie's Versteigerer
Ein Mann mit Sinn für Geschäft und Kunst

Andreas Rumbler ist der neue Top-Versteigerer des weltberühmten Auktionshaus Christie's. Er weiß, wie man die Millionen dirigiert. Dazu braucht er ein Gespür für Kunst und das Geschäft – und Nerven aus Stahl.
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New YprkGute Bilder von Claude Monet kosten Millionen. Ein weltweit gesuchter Blue-Chip-Künstler. Acht Segelboote von Fischern hat Monet 1868 in einer Flaute herangezoomt und auf türkisgrünes Wasser gesetzt. „Die Komposition sieht aus wie eine Fotografie“, meint Andreas Rumbler begeistert, als wir während der New Yorker Vorbesichtigung für Christie's Abendauktion vor „Bateaux de pêche, temps calme“ stehen.

Andreas Rumbler ist Christie's Vizevorstand der Abteilung Kunst des 20. Jahrhunderts. Seine Premiere als Dirigent einer Galaauktion in New York steht unmittelbar bevor. Nur hier fallen die schlagzeilenträchtigen Weltrekorde, nur hier werden dreistellige Millionenumsätze eingefahren, die es weltweit in die Nachrichten schaffen. Seit 2002 versteigert Rumbler bei den New Yorker Tagauktionen. Aber noch nie hat er das verwöhnte New Yorker Publikum abends bei Laune halten müssen - und das über die lange Strecke von 71 Kunstwerken hinweg.

Andreas Rumbler denkt in Bildern und zugleich als Stratege. Den so modern komponierten Monet hat der smarte Experte nicht nur seinen Impressionisten-Sammlern gezeigt, sondern versucht, auch Sammler zeitgenössischer Kunst dafür zu interessieren. Weil sie da für zwei bis drei Millionen Dollar museale Qualität bekommen könnten. „Bei der Contemporary Art kriegt man ja nichts Gescheites unter 15 Millionen.“

Am Abend des 7. November 2012 kommt es anders. Rumbler steht in seiner Auktionatorenkanzel leicht erhöht über den 900 Gästen. Christie's Topkunden sitzen dicht an dicht, ein Sitzplan verzeichnet minutiös die Sammler samt den sie interessierenden Losnummern aus dem Katalog. Mit psychologischem Feingefühl darf der eine Kunstfreund erst ganz am Ende einer Bietersequenz angeschaut werden, wenn die Telefone erlahmen. Ein anderer aber möchte sein Gebot ganz früh platzieren, sonst würde er sich übergangen fühlen.

Routiniert zieht der 44-jährige Rumbler den Ausrufpreis für die Segelboote von einer Million auf 1,8 Millionen. Doch noch vor dem Erreichen des unteren Schätzwerts von zwei Millionen Dollar bleiben die Gebote aus. Rumbler umkreist eine Million achthunderttausend und wartet ab. Dann schlägt er beherzt zu. Mit Kommission kostet Monets modernes Meerbild einen anonym bleibenden Sammler „nur“ 2.098.500 Dollar.

Der zurückhaltende Monet-Zuschlag gibt die Temperatur vor in dieser Versteigerung. Die Performance im Saal wird nicht wirklich schlecht laufen, aber ohne überschäumende Bieterlaune, ohne wildes Übertrumpfen, ohne Flut von Rekorden. Dafür aber mit mehr Rückgängen als in Galaauktionen üblich.

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