Claude Lorrain
Die andere Wirklichkeit im Blick

Claude Lorrain gilt als erfolgreichster Landschaftsmaler des 17. Jahrhunderts. Seine lichterfüllten Werke kamen sogar beim Papst an. Hinter ihrer scheinbaren Natürlichkeit verbarg sich jedoch eine bis ins Letzte durchgeplante Komposition. Das zog und zieht Sammler an.
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Frankfurt„Die Bilder haben die höchste Wahrheit, aber keine Spur von Wirklichkeit“, resümierte Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), nachdem er Claude Lorrains (um 1600-1682) unvergleichliche Landschaften mit den Originalschauplätzen auf dem römischen Land verglichen hatte. Ganz nebenbei posierte er dabei noch für ein beeindruckendes Dichterporträt, das sich heute im Städel Museum in Frankfurt befindet. Wer die Kunstsammlung des Hauses besucht, kommt zwangsläufig an diesem von Johann Heinrich Wilhelm Tischbein 1787 gemalten Aushängeschild vorbei, auch Besucher auf dem Weg in die hervorragende Lorrain-Ausstellung, die das Städel gemeinsam mit dem Ashmolean Museum der Universität Oxford organisiert hat.

Glänzende Kooperation

Im Louvre war die letzte große Schau zu Claude Gellée, der in Rom den Spitznamen "Der Lothringer" erhielt, vor kaum einem Jahr zu sehen. Doch während Paris schwerpunktmäßig den Zeichner umkreiste, versuchen Frankfurt und Oxford Lorrain als einen Künstler zu würdigen, der in die Zeichnung und die Ätz-Radierung genau so viel Entdeckerfreude investierte wie in die Malerei, mit der er sein Geld verdiente.

Warteliste für Auftraggeber

Der in Rom lebende Franzose hatte ausgesorgt, nachdem ihn der Papst Mitte der 1630er-Jahre für sich entdeckt und anschließend vier Gemälde bei ihm bestellt hatte. Für den freien Markt brauchte er seither nicht mehr zu produzieren. Bald gab er auch das Radieren auf, obwohl er es hier mit seinen samtigen Oberflächen zu einer wahren Meisterschaft gebracht hatte. Außerdem konnte es sich der Künstler leisten, bedeutend langsamer zu malen. Seine gut betuchten Auftraggeber kamen auf eine Warteliste. Heute bezahlen Altmeister-Sammler in der Spitze bis zu 2,5 Millionen Euro. So geschehen im Dezember 2010, als bei Christie’s eine frühe Landschaft mit Hirten unter den Hammer kam.

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