„Cobra“ von Frederick Forsyth
Der brutale Krieg gegen die Kokainmafia

Bei dem Wort Krieg denkt man unweigerlich an Irak oder Afghanistan. Doch es gibt einen sehr viel größeren, teureren und brutaleren Krieg: den gegen Kokainhandel. Nun hat sich auch der mehrfache Bestsellerautor Frederick Forsyth diesem Thema gewidmet. Sein neuer Thriller „Cobra“ schildert eine Vision, wie man dem Treiben der Drogenbarone Einhalt gebieten kann – und das in der gewohnt spannenden Manier.
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DÜSSELDORF. 50 Milliarden Dollar. So schwer ist der Markt für Kokain allein in den USA – in Europa kommt in etwa dasselbe hinzu. 14 Milliarden Euro geben die USA aus, um den Handel mit der Droge und die Folgen ihres Konsums zu bekämpfen. Kein Wunder, dass das nicht reicht.

Frederick Forsyth entwickelt in seinem Thriller „Cobra“ eine Idee, wie es anders laufen könnte. Das Buch lebte von seiner Gabe, Realität mit Fiktion geschickt zu mischen. Das Ganze startet mit einem großen Zufall: Michelle Obama ist von dem Schicksal des Enkels ihrer Haushälterin so ergriffen, dass sie ihren Mann darüber informiert: Der 14-Jährige starb an einer Überdosis Kokain. Barack Obama lässt sich über Kokain informieren und beschließt zu handeln.

Den richtigen Mann für dieses Projekt findet die US-Regierung in Paul Devereaux. Der ehemalige CIA-Agent trägt den Spitznamen „Cobra“ und macht dem Präsidenten nach einer umfangreichen Analyse einen Vorschlag: Man kann den Krieg gegen die Kokain-Hersteller gewinnen – aber nur unter gewissen Bedingungen: Die zwei Milliarden Dollar sind das kleinere Problem. Der wesentliche Trick besteht darin, dass man den Kampf gegen das Kokain juristisch mit dem Kampf gegen Terror gleichsetzt. Spätestens hier bemerkt der Leser, dass es richtig schmutzig wird. Mit Geschick, technischem Knowhow und reichlich Brutalität werden nun Drogenhändler wie El-Kaida-Mitglieder gejagt – Kollateralschäden müssen in Kauf genommen werden.

„Cobra“ ist spannend zu lesen und eine tolle Geschichte mit ordentlichem Paukenschlag am Ende. Aber das Buch hat auch Schwächen. Forsyth kommt mit 400 Seiten aus, was angesichts der Fülle an dickeren Büchern in diesem Jahr eher schmal daherkommt. Es mangelt allerdings nicht an Detailwissen über militärische Dinge und natürlich den Kokainhandel selbst. Bisweilen unterbrechen die exakten Beschreibungen den Lesefluss, interessant sind diese sachbuchähnlichen Passagen aber allemal.

Woran Forsyth in der Tat gespart hat, ist das Ausmalen der Figuren. Der Leser erfährt von ihnen nur das Allernötigste. Zudem zwingt die Handlungsweise der Kokaon-Barone Fragezeichen auf die Stirn: Zunächst erscheinen sie quasi allmächtig, dann schauen sie dem Treiben Devereauxs arg ideenlos zu.

All das ist in dem anderen großen Drogen-Thriller dieses Jahres besser gemacht worden: Man kommt nicht umhin, „Cobra“ mit „Tage der Toten“ von Don Winslow zu vergleichen. Auch dieser Thriller handelt vom Kampf gegen Kokain, allerdings spielt er zwischen den 1970er- und 90er-Jahren. Winslows Werk darf man durchaus aus Thriller des Jahres bezeichnen, und „Cobra“ kommt an ihn nicht heran. Forsyth mag der Vater des Polit-Thrillers sein. Die Mutter aller Drogenthriller ist seine „Cobra“ bei weitem nicht.


Bibliografie:

Frederick ForsythCobra

C. Bertelsmann, München 2010
400 Seiten, 22,90 Euro

Thorsten Giersch
Thorsten Giersch
Chefredakteur Business bei der Verlagsgruppe Handelsblatt / Geschäftsführer digital bei planet c

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