Cologne Fine Art & Antiques
Niveauvolle Verführung

Die Kölner Antiquitätenmesse Cologne Fine Art & Antiques überzeugt mit Ausstrahlung und hoher Qualität. Ihr Angebot lässt keine Wünsche offen. Sie deckt alle Preisklassen ab und kann auf den wichtigsten Sammelgebieten mit erstaunlicher Reichhaltigkeit punkten.
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KölnIn den letzten Jahren haben sich München und Köln als Messestandort für Antiquitäten wieder in die erste Liga vorgearbeitet. Das zeigte vier Wochen nach dem dreifachen Messeaufgebot in der bayerischen Metropole nun auch wieder die Cologne Fine Art & Antiques (COFAA) , die gestern Abend eröffnet wurde. Diesmal unter ihrer neuen, blutjungen Leiterin Cornelia Zinken.

Die neue Direktorin hat ganz sicher gut daran getan, das bereits von ihrer Vorgängerin Ulrike Berendson praktizierte Sparten und Epochen übergreifende Konzept weiterzuentwickeln. Doch das eigens beworbene Crossover wie es sich exemplarisch am Gemeinschaftsstand von Frank Landau (Design-Klassiker) und Dierk Dierking (Außereuropäische Kunst) und an mindestens drei weiteren Stellen zeigt, bildet die Ausnahme von der Regel. Die Regel sind räumlich klar und auch farblich unterscheidbare Stände von großzügigem, aber nicht langweiligem Zuschnitt. Herausgekommen ist eine Messe, die weder laut und zu groß noch zu klein ist, weder zu exklusiv noch preiswert oder gar billig. Dabei gelingt es ihr ein Kunststück für deutsche Verhältnisse, nämlich ein überraschend durchgängiges Qualitätsniveau.

Komplettes Skizzenbuch von Kirchner

Klassische Moderne, Angewandte Kunst, Arbeiten auf Papier, Alte Kunst und Design erwartet das Publikum an insgesamt fünf Messetagen bis einschließlich Sonntag, den 25. November. Zeit genug, um auf Entdeckungstouren zu gehen. Bei Christian Eduard Franke (Bamberg) fällt ein westfälisches Möbel aus der Mitte des 18. Jahrhunderts aus dem Rahmen (85.000 Euro). Die Galerie Koch aus Hannover ist so stolz über die Wiederentdeckung eines Skizzenbuches Ernst Ludwig Kirchners, dass sie es komplett als Buch publiziert hat, in limitierter Auflage. Das Konvolut umfasst 83 Blätter, auf denen Kirchner mit Feder oder schwarzer Kreide figürliche Kompositionen mit souveräner Geschwindigkeit zu Papier brachte. 181 Skizzenbücher soll der Künstler hinterlassen haben. Nahezu alle gelangten in Museumsbesitz. Das Ensemble bietet Koch zu Einzelpreisen zwischen 750 und 18.500 Euro an.

Taktvolle Übermalung

Auch Renate Krümmer Fine Art (Hamburg) hat eine Entdeckung mitgebracht: ein Frühwerk von Ernst Wilhelm Nay, nämlich das Bildnis seiner ersten Verlobten Alice, das nach der Restaurierung seiner übermalten Rückseite noch etwas mehr aus seinem Liebesleben preisgab. Dort befand sich nämlich ein Akt seiner neuen Freundin und späteren Frau Elly, den er taktvoll übermalte, als er das Gemälde seiner Ex-Geliebten später als Geschenk überreichte. 125.000 Euro soll der frühe Nay bei Krümmer kosten.

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