Cologne Fine Art & Antiques
Schöner Wohnen auf hohem Niveau

Die Cologne Fine Art & Antiques hat ihr Profil geschärft - Die Kölner Traditionsmesse setzt auf einen frischen Mix verschiedener Sammelgebiete: Klassische Moderne, Möbel, Porzellan, Stammeskunst, Asiatika und Teppiche.
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KÖLN. Das strenge Auswahlverfahren für die Cologne Fine Art & Antiques (Cofaa, noch bis 22.11.) trägt Früchte. Mit rund 90 Ausstellern in der gut gelegenen Halle 11.2 der Kölnmesse und der anregenden Durchmischung von Stilen und Epochen hebt sich die Cofaa deutlich von der Konkurrenz ab. Im zweiten Jahr unter der Direktorin Ulrike Berendson wird das angestrebte Profil der Universalmesse schon recht deutlich. Hier finden sich schöne, bezahlbare Kunstwerke von der Antike bis in die achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts.

Anders als bei der Kunstmesse München ist die Kunst des 20. Jahrhunderts so prominent wie facettenreich an den Ständen von 34 Ausstellern vertreten. Die Einbindung von Design tut gut und dürfte auch jüngere Kunstfreunde ansprechen. Die Erstaussteller Frankandoliver trumpfen mit dem Prototyp eines Ledersofas von Paul Kjaerholm auf, das keine Füße hat. Der an der Wand befestigte Dreisitzer soll 42 000 Euro kosten. Design-Tradition konzentriert sich auf Möbel aus Österreich. Zwei Dreh-Sessel aus Alu mit Lederpolstern aus dem Jahr 1970 von Josef Krawina (6 500 Euro) fanden sofort einen Käufer. Eine Rarität, denn es wurden nur vier produziert.

In ein Museum gehörte das komplett erhaltene zwölfteilige "Wertheim"-Speisezimmer aus dem Jahr 1902 von Peter Behrens, das Dr. Westermeier für 170 000 Euro abgibt, weit unter dem Preis, den ein Auktionshaus zu erzielen suchte.

Fünf Händler zeigen gemeinsam neue Perspektiven auf

Die Cofaa 2009 zeichnet sich durch einen großzügigen Hallenplan und zahlreiche Durchblicke aus. Noch findet der von Berendson initiierte Abschied von abgeschotteten Kojen nur vereinzelt statt. Paradebeispiel ist hier der Gemeinschaftsstand von Hubertus Melsheimer (Moderne Kunst), Esch (Alte Kunst), Hirschberg (Teppiche), Simonis (Stammeskunst) und Michael Woerner (Asiatika). Die Durchsichten machen neugierig. Der Flaneur kann sich im Zentrum des Großstandes in einer Ruhezone ausruhen, in der außereuropäische Skulptur auf Wandteppiche, Nagel-Reliefs von Uecker (58 000 Euro) und barocke Schaugerichte trifft.

Die Erstaussteller sind eine Bereicherung

Michael Woerner aus Hongkong ist mit seiner hochwertigen asiatischen Skulptur eine echte Bereicherung. Der Franke bringt den aus Ton modellierten Porträtkopf eines bärtigen Mannes aus Gandhara mit, der 75 000 Euro kosten soll. Ein kleiner stehender Boddhisattva aus Stein, Prä-Khmer, ist mit 450 000 Euro eines der teuersten Kunstwerke dieser Messe.

Von geradezu musealer Qualität ist bei dem Antikenhändler Gordian Weber der Kopf eines adeligen Römers, mit unversehrter Nase und höchst individuellen Zügen. Machtbewusstsein, Reflexion und Durchsetzungskraft lassen sich in seinen Zügen lesen. 120 000 Euro erwartet der Kölner für das veristische Bildnis. Gordian Weber hat als Beirat der Messe auch drei Pariser Neuaussteller (von insgesamt 13) zur Teilnahme bewegen können. An den Voyeur in uns wendet sich eine kleine Tonskulptur, die im 2. Jahrhundert nach Christus aus einem Model gepresst wurde: Ein Paar beim Liebesakt (12 500 Euro).

Auch die jungen Franzosen sind eine Bereicherung. Alexis Renard ist der einzige Aussteller mit islamischen und indischen Antiken. Er bietet drei indische Bekrönungen von Prozessionsstangen aus dem 18. Jahrhundert für 12 000 Euro an. David Ghezelbash ist ein Freund von monumental wirkender Kleinskulptur. Er setzt einen späthellenistischen Bronzeakt - ein Gott oder ein wohl gebauter Athlet - auf 36 000 Euro an. Ein elegantes Fragment der Fruchtbarkeitsgöttin Isis weist noch Reste seines originalen Goldüberzugs auf und kostet 18 000 Euro. Charles-Wesley Hourdé schließlich bringt eine große stillende Frauenfigur der Senufo (Elfenbeinküste) mit, deren Kopf und Haartracht wild und animalisch wirken (110 000 Euro).

Stammeskunst hat viele Facetten

Beim Stammeskunst-Händler Michael Vignold ist eine Maske der Dogon zu entdecken, ein Vogelmischwesen, das aus der Sammlung des Bildhauers Fritz Koenig stammt. Für die außergewöhnliche Skulptur erwartet der Kölner 180 000 Euro. Sein Stand geht in den von Thole Rotermund über, auch hier gelingt die Aufhebung der Kojenbegrenzung. Mit der nur handtellergroßen Zeichnung "Rotes Pferd" von Franz Marc bietet Rotermund eine Rarität an. Konturbetont, voller Rhythmus und Beseelung ist hier die Quintessenz von Marcs Ideenwelt Form geworden. Deshalb liegt ihr Preis auch bei 198 000 Euro.

Das stimmungsvolle Aquarell "Elbkähne" von Ernst Ludwig Kirchner hält Petra Koch für 100 000 Euro bereit. Schlichtenmaier stellt die Düsseldorfer Maler Gerhard Hoehme, Peter Brüning und Karl Otto Götz mit furiosen Bildern der Frühzeit aus. Eine unbetitelte Leinwand von Brüning aus dem Jahr 1963 besticht durch ihr dynamisches Lineament in Rot und Schwarz (120 000 Euro).

Auf der Cofaa lassen sich auch Künstler entdecken jenseits der zu oft gesehenen Namen. So zeigt Wilfried Utermann einen Ausschnitt aus seiner aktuellen Bruno Goller-Ausstellung. Gollers Interieurs changieren auf höchst interessante Weise zwischen Abbild und Innenbild, in Realistisches bricht immer wieder Surreales ein. Die kleinen Ölbilder liegen bei 40 000 Euro, die größeren bei bis zu 145 000 Euro. Wolfgang Paalen, ein Deutscher, der sich den Pariser Surrealisten anschloss, schuf 1934 für die Luzerner Ausstellung "Abstraction Creation" das Querformat "Avertissement". Hier schöpft Paalen aus dem großen Reservoir abstrakter Formen (für 430 000 Euro gesehen bei der Galerie Döbele).

Deutsche Renaissancehäuser haben hier Spielzeugformat

Porzellanfreunde werden die Stände von Oberacker, Dr. Holz, Zeisner und Steinbeck ansteuern. Steinbeck hält eine Kaffeekanne in Böttger-Porzellan mit Goldchinesenmalerei bereit, wahrscheinlich 1725 von der Seuter-Familie ausgeführt. Sie soll um 35 000 Euro kosten. Seltenheitswert hat auch Steinbecks quietschbunter Harlekin von J.J. Kaendler, der auf einem Ziegendudelsack spielt (um 20 000 Euro).

Die Möbelsektion präsentiert sich dieses Jahr vielseitig und prominent besetzt. Otto von Mitzlaff hat nicht nur ein Verwandlungsmöbel von Abraham Roentgen mitgebracht, sondern auch das Miniaturmodell von fünf berühmten, deutschen (im Krieg zerstören) Renaissancehäusern. Das Modell ist sehr fein gearbeitet und entstand um die Mitte des 19. Jahrhunderts (16 000 Euro). Originell ist auch ein lederbezogener, englischer Kinder-Lehnsessel von 1720. Dafür erwartet Otto von Mitzlaff 12 500 Euro. Axel Schlapka hat einen Palmentisch der Biedermeierzeit aus Ungarn in die vorderste Reihe gerückt. 48 000 kostet der runde Tisch mit den attraktiven Beinen.

Die Neuausrichtung wird begeistert aufgenommen

Die Cofaa hat ihr Profil gefunden. Das kann sie noch schärfen etwa im Bereich der Altmeister-Malerei durch Spezialisten aus den Nachbarländern. Stärker profilieren kann sich die Cofaa sicher auch noch bei Kunst auf Papier, aber auch bei Fotografie. Hier ist mit der Hamburger Foto-Händlerin Flo Peters nicht mehr als ein Anfang gemacht.

Die Cofaa 2009 bietet Überraschendes und Wertbeständiges mit Geschichte zu Preisen im fünf- bis sechsstelligen Bereich. Millionenobjekte sind nur vereinzelt zu entdecken. Aber die kaufen hierzulande nur ganz wenige Kunstsammler. Reger Zuspruch und zahlreiche Verkäufe gleich zu Beginn der Messe bestätigen das Konzept eindrucksvoll.

www.cofaa.de

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