Contemporary Art
Futter für den "Super-Markt"

Die Chancen für “normale” Sammler schwinden. Das signalisieren die teilweise schwindelerregenden Schätzpreise der New Yorker Contemporary Art-Auktionen. Sotheby’s und Christie’s kalkulieren mit der Finanzkraft einer neuen internationalen Klientel und stellen für sie sogar aufwendige Videos ins Netz.
  • 0

New YorkMit der besten Auswahl seit langem greifen die Auktionen von Contemporary Art gleich nach den Sternen. Erwartete Mindesteinnahmen liegen bei 550 Millionen Dollar. Elf Lose sollen an drei Abenden allein je über 10 Millionen Dollar einspielen, für fünf werden sogar mindestens 30 Millionen erwartet.

Neue Verführungsstrategien

Diese nicht gerade zimperlichen Taxen erfordern neue Verführungsstrategien. Aufwendig produzierte Videos werden ins Netz gestellt und sollen auch den letzten Winkel der Welt mit Internetzugang mobilisieren. Christie’s beauftragte sogar Regisseur Laurent Chanez, der zuletzt mit Benettons „Unhate“-Kampagne provozierte. Drei wortlose dramatische Minuten lang stellt er Filmschnipsel von Yves Kleins Schöpfungsakt mit Flammenwerfer, Wasser und blau angemalten Nackten neben überwältigende Naturphänomene. Das soll Christie’s zu 30 bis 40 Millionen Dollar für Kleins „FC1 (Fire Color 1)“ (1962) verhelfen. Sotheby’s Filmstudio machte dagegen relativ nüchtern mit schnellen Schnitten, Interviews, Archivbildern und Musik für das ebenfalls auf 30 bis 40 Millionen Dollar geschätzte „Sleeping Girl“ von Roy Lichtenstein Stimmung.

Mit „Theater“ die Bieter herausfordern

Die Kataloge strotzen vor hochkarätigen Einlieferungen. Christie’s sicherte sich für den 8. Mai 13 Werke aus dem Nachlass des im Dezember gestorbenen wichtigen Sammlers und Philantropen David Pincus, ehemals Vorsitzender von Pincus Brothers-Maxwell, einem Bekleidungshersteller in Philadelphia. Hier sind sichere Schlager wie Jackson Pollock, de Kooning, Clyfford Still in hervorragender Qualität zu finden. Höhepunkt ist Mark Rothkos „Orange Red Yellow“ (1961) zu 35 bis 45 Millionen Dollar.

Allein fünf Mobiles von Alexander Calder kommen aus verschiedenen Quellen dazu, ein Indikator, dass Experten einen Preissprung erwarten. Das mitreißende Auktionstheater, das die Versteigerung einer Gruppe erzeuge, so die Theorie, verleite Bieter zu animierteren Gefechten und zu Rekordzuschlägen. Die Taxe für Calders  komplexes stehendes Mobile „Lily of Force“ (1945) reicht mit 8 bis 12 Millionen Dollar schon jetzt weit über den geltenden Auktionsrekord von 6,3 Millionen Dollar hinaus.

Christie’s bietet auch sechs Werke von Gerhard Richter an, der bei neuen Sammlern besonders populär ist. Im vergangenen Jahr belief sich laut Database Artprice sein Auktionsumsatz auf 176 Millionen Dollar. Richters „Abstraktes Bild (798-3)“ wurde von Lynn Ross, der Witwe des Finanziers George M. Ross aus Pennsylvania, eingeliefert (Taxe 14 bis 18 Millionen Dollar).

Seite 1:

Futter für den "Super-Markt"

Seite 2:

Lichtensteins "Sleeping Girl" bei Sotheby's

Kommentare zu " Contemporary Art: Futter für den "Super-Markt""

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%