Coppenrath-Verlag
Bücher spielen nicht mehr die Hauptrolle

Wolfgang Hölker und sein Verlag machen Kinder mit Geschichten rund um den Hasen Felix und Prinzessin Lilifee glücklich. Doch mittlerweile spielen die Bücher nicht mehr die Hauptrolle.
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MünsterDas Zebra lächelt hämisch. Das ausgestopfte Tier blickt auf einen riesigen Teppich, der den afrikanischen Kontinent als Landkarte auf 50 Quadrametern in all seiner Grandiosität zeigt. Nördlich von Ägypten tickt das Metallgerüst einer uralten Kirchenuhr laut, im Kreis dreht sich ein aufgesteckter Totenschädel. Von der fünf Meter hohen Decke hängt ein armdickes Seil mit einem mächtigen Granitblock, an dem Wolfgang Hölker kräftig zieht.

Der Verleger und Eigentümer des Coppenrath-Verlags hat sichtlich Spaß am Aufziehen seiner Uhr, die auf die Vergänglichkeit des Lebens hinweisen soll. „Ich war schon als kleiner Junge an allem interessiert und neugierig“, sagt der 63-Jährige und blättert in einem überdimensionalen Afrika-Bildband, der von den Abenteuern des Fotografen Peter Beard erzählt.

Hölkers Büro, so groß wie ein halbes Volleyballfeld, ist eine Erlebniswelt für Erwachsene abseits jeder Konvention. Es ist Inspirationsquelle, Abenteuerspielstätte, Arbeitsplatz und Wohnzimmer. Ein Exzentriker lebt sich in der von ihm umgebauten Feuerwehrwache unweit des Münsteraner Hafens aus. „In einem großen Raum kann man besser denken“, sagt er überzeugt.

Wolfgang Hölker kann sich derartigen Luxus leisten. Als Verlagschef von Coppenrath, Spiegelburg und Hölker verdient er viel Geld. Der Erfinder von „Hase Felix“ und „Prinzessin Lilifee“ erzielt mit seinen 200 Mitarbeitern – davon 120 Leute in der Zentrale und 80 in der Logistik und Distribution in Horstmar bei Münster – über 80 Millionen Euro Umsatz. Das Geschäft ist hochprofitabel. Hölker spricht von einer „guten einstelligen“ Umsatzrendite. Mehr verrät der Alleininhaber nicht. Neid lauert schließlich überall.

In Geldangelegenheit ist der Unternehmer vorsichtig. „Ich bin so aufgestellt, dass es mir nichts ausmachen würde, wenn wir mal zehn Millionen Euro weniger machen. Das ist eine meiner Vorsichtsmaßnahmen“, sagte er. Die Pleite des Schreinerbetriebs seines Vaters hat ihn geprägt. Zu Banken hält er seit Jahrzehnten eine natürliche Distanz. „Ich möchte nicht in eine Situation kommen, dass eine Bank meinen Laden überprüft.“

Vor einem Vierteljahrhundert hat er den Coppenrath-Verlag übernommen. Später kam die Edition „Spiegelburg“ hinzu, benannt nach seiner Ehefrau Siggi Spiegelburg, einer Modedesignerin, die aus der C&A-Familie stammt. Der Verleger aus einfachen Verhältnissen ist in der Stadt und Branche hochangesehen. Zu seinen Freunden zählen die Bertelsmann-Matriarchin Liz Mohn und die Verlegerfamilie Langenscheidt. Diese Woche wurde ihm von der Münsteraner Kaufmannschaft der Salzstraße der Preis „Die Putte“ verliehen. Die launige Laudatio hielt seine Erfolgsautorin Katja Kessler, Ehefrau von „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann. Ihr Mami-Buch verkaufte sich mehr als 100.000-mal.

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Merchandisingprodukte sorgen für Umsatz

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