Cornelius Gurlitt: Die Suche nach einem Sündenbock

Cornelius Gurlitt
Die Suche nach einem Sündenbock

Gegen die Taskforce Schwabinger Kunstfund werden wohl unberechtigt schwere Vorwürfe erhoben. Es geht um die Wege von Dokumenten aus dem Salzburger Haus von Cornelius Gurlitt und die Rolle einer parallelen Task-Force.
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BerlinDass der Sammler Cornelius Gurlitt auch ein Haus in Salzburg besaß, war seit längerem bekannt. Dass er dort offenbar seine wertvollsten Kunstwerke lagerte, wurde zwar vermutet, ging allerdings aus einer Verlautbarung von Gurlitts PR-Experten im Februar 2014 auch nur andeutungsweise hervor. Erst im November 2014 stellte das von Gurlitt als Alleinerbe eingesetzte Kunstmuseum Bern eine Liste der Salzburger Bilderfunde ins Netz.

Dass Gurlitts Betreuer, der Münchener Rechtsanwalt Christoph Edel, im Februar 2014 aus Salzburg auch umfangreiche Unterlagen und Dokumentationen (die Rede ist von 17 Kisten mit über 20.000 Seiten) zu den einzelnen Werken der Sammlung Gurlitt abtransportieren ließ, war hingegen lange unbekannt. Ein weiterer Teil der Unterlagen blieb nach der Durchsuchung von der Schwabinger Wohnung dort zurück, so ein enger Vertrauter Gurlitts.

Einrichtung einer Parallel-Taskforce

Gurlitts Betreuer Edel beauftragte mit der Sichtung der Dokumente und ihrer digitalen Erfassung in einer Datenbank im März 2014 den Dokumentarfilmer Maurice Philip Remy. Der stellte ein zehnköpfiges Forscherteam zusammen. „Ich war davon überzeugt, dass wir die Provenienzrecherchen so schneller zum Abschluss bringen können, als die Taskforce mit ihrem Ansatz von Einzelrecherchen“, erklärt Edel die Einrichtung seiner Parallel-Taskforce gegenüber dem Handelsblatt. „Mit dem Tod Gurlitts hing das ganze Projekt dann in der Luft, weshalb wir es dem Kunstmuseum Bern als dem testamentarisch eingesetzten Alleinerben vorgestellt haben“, so Edel. Für die Fortführung von Remys Provenienzforschungen, die digitale Erfassung der Unterlagen und die rechtliche Beratung kalkulierten sie rund 400.000 Euro. Museumsdirektor Matthias Frehner reagierte nicht darauf.

Kein Interesse an einer Zusammenarbeit

Daraufhin boten Edel und Remy bei einem Treffen Ende Juni 2014 in München der Taskforce ihre Zusammenarbeit für die Fortführung der Provenienzrecherchen an. Nach Gesprächen mit dem Nachlasspfleger bestand an einer Zusammenarbeit kein Interesse. Über eine Übergabe sämtlicher Unterlagen an die Taskforce wurde nicht gesprochen; diese wurde auch nicht angeboten, bestätigen Edel und Remy. „Es stimmt nicht, dass Herr Remy Geld verlangt hat für Herausgabe der Ergebnisse und Unterlagen“, stellt Edel anders lautende Gerüchte gegenüber dem Handelsblatt richtig. „Vielmehr hat Herr Remy die Taskforce bei dem Treffen sogar unentgeltlich auf rund 60 falsche Zuschreibungen der Kunstwerke aus der Sammlung Gurlitt hingewiesen.“

Öffentliche Vorwürfe gegen die Taskforce

Nun wird der Taskforce vorgeworfen, dass sie diese wichtigen Unterlagen überhaupt nicht angefordert hätte. Damit hätte sie die für eine Restitution an die Erben der rechtmäßigen Eigentümer notwendigen Provenienzrecherchen bewusst verzögert. Diese Sichtweise befremdet. Da Edels Auftrag als Betreuer mit dem Tod Gurlitts geendet hatte, musste er – unaufgefordert – sämtliche Unterlagen Gurlitts dem Nachlasspfleger übergeben und ihn über die verschiedenen Lagerorte informieren. „Ich konnte und musste davon ausgegangen, dass alles, was zum Nachlass gehört, vom Nachlasspfleger der Taskforce übergeben wird, wenn der Nachlasspfleger das für richtig hält“, so Berggreen-Merkel gegenüber dem Handelsblatt. „Die Salzburger Funde gehörten aber damals noch nicht zum Aufgabenbereich der Taskforce.“

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