Damien Hirst bei Sotheby's
Gold, Geld und andere Götzen

223 Lose direkt aus den Studios des Künstlers, nur fünf Rückgänge und eine Gesamteinnahme von 111,6 Millionen Pfund: Sotheby's und Künstlerstar Damien Hirst haben mit einem Paukenschlag das Genre der Ein-Mann-Auktion aus der Taufe gehoben und Kunstmarktgeschichte geschrieben.

LONDON. "Große Kunst durchbricht alle Barrieren", resümierte Sotheby's Contemporary-Chef Tobias Meyer den ersten Fabrikverkauf im Kunsthandel. Wer wird als Nächster seine Kunst über die Köpfe der Galeristen hinweg versteigern? Meyers Antwort ist geradeheraus: "Wir müssen uns genau überlegen, wer der richtige Künstler ist. Aber dass wir darüber nachdenken, das ist klar."

Alles an der Auktion war global und übertrieben. Die Ambition, die tonnenschweren Kunstwerke, für die Sotheby's seine ehrwürdigen Decken abstützen musste, der dreibändige Katalog, die 21 000 Besucher bei der Vorbesichtigung, die Party, bei der die Bässe 8 500 Zigarettenkippen im Vitrinenkunstwerk "The Abyss" zum Einsturz brachten. Von Hirsts Studiopersonal eilends wiederhergestellt, brachte das Werk dann 1,8 Mill. Pfund (2,2 Mill. Euro).

Dann krönte die Auktion eine militärisch präzise Marktkampagne. Kunst wurde nach Neu-Delhi und in Amerikas Edelferienkolonie Hamptons geflogen, russische Milliardäre und Starsammler wie François Pinault wurden zu Exklusivbesichtigungen in Hirsts Schloss Toddington gebeten. Aber das eigentliche Ziel war das Publikum, das bei den eifersüchtig gehüteten "Wartelisten" der Händler nicht zum Zuge kommt. Hirst wollte den "viktorianischen Gentlemen's Club" des Kunsthandels auf die Höhe des 21. Jahrhunderts und seiner globalen Kunst bringen, und Sotheby's meldete Vollzug: 18 Prozent der Käufer in der Abendauktion hätten nie zuvor bei Sotheby's gekauft, ein Viertel von ihnen kam aus den neuen Märkten Russland, China, Indien und Naher Osten.

Aber man verließ sich nicht auf neue Käufer. Das erste Los der Abendauktion, das Hybrid-Triptychon aus "Spin"- und Schmetterlings-Paintings "Heaven Can Wait", wurde von Hirsts Londoner Händler Jay Jopling auf 993 250 Pfund brutto (Taxe bis 500 000) gesteigert und gab ein wichtiges Stimmungssignal.

Als zwei Telefonbieter beim Los 5, dem Hai-Tank "The Kingdom", die Lust zu verlieren schienen, bevor noch die Schätzung erreicht war, schaltete sich Jopling ein. Das genügte, die Telefonkäufer in einen Zweikampf zu führen. Der Hai wurde unter Applaus bei 9,6 Mill. Pfund zugeschlagen.

Jopling ersteigerte die Fisch-Vitrine "Here Today, Gone Tomorrow" für 2,9 Mill. Pfund, das Vitrinenwerk "The Triumvirate" mit anatomischen Modellen für 1,7 Mio Pfund, das abgemalte Schwarzweißfoto "Young Damien" mit dem Künstler in der Leichenhalle - alle im Schätzbereich. Bei anderen wurde er überboten - etwa bei der mit Industriediamanten gefüllten Vitrine "Fragments of Paradise", die für 5,2 Mill. Pfund (6,5 Mill. Euro) an einen Telefonkäufer ging, der von Sotheby's Kundenbetreuerin für Russen vertreten war. Sie war eine der aktivsten Bieterinnen. Gemunkel, Sotheby's habe Jopling "Anreize" versprochen, wurden heftig dementiert.

Andere wollten wissen, Hirst-Besitzer seien aufgefordert worden, die Preise zu stützen. Spekulanten mit großen Hirst-Beständen wie der New Yorker José Mugrabi saßen bereit, den Wert ihres Inventars zu schützen. Philip Hoffmann vom Fine Art Fund dagegen verkündete: "Ich habe meinen Hirst schon vor zwei Wochen gekauft. Es ist klar, dass dies die Preise weiter steigern wird."

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