„Dammbruch“ für andere Museen in Deutschland befürchtet
Wuppertal will Gemälde aus NS-Raubkunst zurückgeben

Drei Gemälde aus dem städtischen Museum, die früher jüdischen Besitzern gehörten, gibt die Stadt Wuppertal jetzt an die Erben zurück. Das beschloss der Rat der Stadt am Montagabend einstimmig. Die drei im Von der Heydt-Museum gezeigten Kunstwerke, wurden zwischen 1937 und 1939 aus dem Eigentum jüdischer Familien zwangsversteigert.

HB WUPPERTAL/DUISBURG. Wuppertals Museumsdirektorin Sabine Fehlemann nannte den Beschluss am Dienstag „voreilig“. Ein „Dammbruch“ auch für andere Museen in Deutschland sei zu befürchten, wenn eher moralische als rechtliche Maßstäbe die Kommunalpolitik anleiteten. Angesichts „komplizierter Sachverhalte“, auch was die Provenienz der Werke angehe, seien nun „vollendete Tatsachen“ geschaffen worden, kritisierte Fehlemann. Museumsexperten „haben dann keinen Verhandlungsspielraum mehr.“

Zwei der Wuppertaler Bilder, eine „Felsige Flusslandschaft“ des Frankfurter Malers Otto Scholderer sowie das Gemälde „Tatar mit Pferd“ von Hans von Marées, sind 1939 und 1948 von Galeristen erworben worden. Die Papierarbeit „Erinnerung vom Dampfboot auf der Donau“ von Adolf von Menzel (1815-1905) war 1956 dem Wuppertaler Museum vom Mäzen Eduard von der Heydt geschenkt worden. Heftige Diskussionen um eine mögliche Restitution gibt es derzeit auch im Lehmbruck-Museum Duisburg: In Israel lebende Erben beanspruchen das Ölbild „Buchsbaumgarten“, das Emil Nolde 1909 gemalt hat. Die Familie eines in den Selbstmord getriebenen Rechtsanwaltes ließ das Werk versteigern. Dessen neuer Besitzer, ein weiterer jüdischer Sammler, trennte sich 1956 von dem Kunstwerk. Das Bild wird heute auf etwa 500 000 Euro geschätzt.

Nach einem aktuellen Beschluss des Duisburger Museumskuratoriums sei klar, dass man weder das Bild zurückgeben noch die neue Beratende Kommission in Berlin anrufen werde, sagte Museumsdirektor Prof. Christoph Brockhaus der dpa. Gleichwohl sei das Haus sehr an einer „einvernehmlichen finanziellen Lösung“ des Nolde-Problems interessiert. „Mit einer Drohkulisse aus Politik und Medien haben die Erben das Verfahren nicht einfacher gemacht“, sagte Brockhaus.

Völlig unverständlich für Experten bleibt, dass die vor Jahren angesichts zahlreicher Affären um NS-Raubkunst eingerichtete Provenienzforschung in vielen Museen aus Finanznot wieder eingestellt worden ist. Duisburg und Wuppertal zeigen erneut, dass die Prüfung der Herkunft in jedem Einzelfall geschehen muss. Eine Sprecherin der Jewish Claims Conference meinte kürzlich: „Ich kann mir kaum vorstellen, dass jemand glücklich und stolz mit einem geraubten Kunstwerk in seiner Ausstellung sein kann.“

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