Danh Võ
Großer Verführer

Geboren in Vietnam, ausgebildet in Kopenhagen und Frankfurt – heute lebt Danh Võ in Berlin und New York und ist ein gefragter Künstler. Besonders amerikanische Sammler springen auf ihn an. Auf seinen Collagen trifft sich Konsum-, Märchenwelt und viel Blattgold
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BregenzVerführerisch glänzt die Freiheitsstatue in Blattgold – allerdings auf billigsten Karton. Sehnsuchtsziel USA? Oder ist doch nicht alles Gold, was glänzt? Solche Fragen stellt sich der vietnamesische Künstler Danh Võ, der heute in Berlin und New York lebt. Migration, Exil und der Begriff der Heimat sind die Themen, um die seine auch in den Raum eingreifenden Arbeiten auf Fotografie und Papier kreisen. Sie basieren auf seiner eigenen Biographie und auf der Geschichte seiner Familie. Võ wurde 1975 in Vietnam geboren und verbrachte dort seine Kindheit, bevor seine Familie nach Kopenhagen emigrierte.

Im Kunsthaus Bregenz trifft der Besucher auf Fotografien des Amerikaners Joseph Carrier, der zwischen 1962 und 1973 in Vietnam arbeitete. Võ eignete sich die Fotos an, indem er sie alle in schwarzweiß abziehen ließ. Sie zeigen Männer auf der Straße, die sich an den Händen halten. Das kleine Format verstärkt ihren intimen Eindruck. Võ greift das Thema der gleichgeschlechtlichen Beziehung immer wieder auf. Den Fotos stellt Võ Postkarten von exekutierenden französischen Missionaren gegenüber. Sie stammen aus einer Zeit, in der Vietnam auch "sehr aggressiv war", erläutert der Künstler. Võ bringt hier zwei historische Perioden und Ereignisse – den Vietnamkrieg und die französische Kolonialherrschaft Mitte des 19. Jahrhunderts zusammen und befragt normierte Verhaltensweisen. So vorzugehen ist typisch für den Künstler, der an der Royal Academy in Kopenhagen und an der Städelschule in Frankfurt studierte.

Begehrt von US-Sammlern

Seine Collagen und Einladungskarten präsentiert Võ auf Tischen. Auf den ersten Blick wirkt sehr spröde, was er aus einzelnen Zeitungsbuchstaben zusammengeklebt hat; doch bei näherem Hinsehen entfalten diese Arbeiten eine starke formale Wirkung. Auf mit Blattgold bedruckten Kartons verarbeitet Võ das Logo von Coca Cola und Werbemotive des Souvenirshops der Freiheitsstatue. Der Künstler kombiniert dazu Folien, auf denen in altdeutscher Schrift in Blattgold Auszüge aus dem Grimm'schen Märchen Aschenputtel zu lesen sind. Nicht umsonst nennt sein Galerist Daniel Buchholz ihn einen „großen Verführer“.

Danh Võ ist international gefragt, er stellte unter anderem 2009 in der Baseler Kunsthalle aus und war bei zahlreichen Gruppenausstellungen wie der Berlin Biennale 2010 beteiligt. 2007 erhielt er den Kunstpreis „blau orange" der Volks- und Raiffeisenbanken und war 2009 auch für den Preis der Freunde der Nationalgalerie in Berlin nominiert. In Deutschland wird Võ von der Berliner Galeristin Isabella Bortollozi, seit 2009 auch von Daniel Buchholz in Köln vertreten. Seine Arbeiten, die sich im Preisbereich von ca. 2.000 bis rund 60.000 Euro bewegen, werden nach Angaben von Bucholz vor allem von amerikanischen Sammlern verstärkt gekauft. Mit der für 2013 geplanten Ausstellung in der Galerie von Marian Goodman in New York wird Võ endgültig in Amerika angekommen sein.

Die nächste Ausstellung von Danh in der Galerie Buchholz ist im nächsten halben Jahr geplant, der genaue Termin steht aber noch nicht fest. Seine nächste Einzelschau wird in der Renaissance Society in Chicago im September stattfinden. Auf der ebenfalls im September laufenden Kunstmesse in Chicago will Buchholz eine Präsentation mit Dann zeigen.

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