Das britische Königshaus zählt zu den Kiton-Kunden: „Zurückhaltung ist wahrer Luxus“

Das britische Königshaus zählt zu den Kiton-Kunden
„Zurückhaltung ist wahrer Luxus“

Die Männermode-Marke Kiton kleidet Staatsmänner, Superstars und Karrierefrauen.

Luxusmarken zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich rar machen müssen. Das gilt für Autos wie für Anzüge. Und ganz besonders für Kiton. Nur an sechs Stellen auf der Erde kann sich der Herr von Welt einen der edlen Kiton-Anzüge anpassen lassen: Mailand gehört dazu, New York - und ausgerechnet die rheinische Weltstadt Köln. Das britische Königshaus zählt zu den Kiton-Kunden. Robert Redford bevorzugt den italienischen Luxus am Leib ebenso wie Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker.

Nach Köln zu Kiton finden den Weg aber auch Niederländer, Russen und Japaner. Sie gehen in die Richartzstraße, kurz hinterm Dom. Viele von ihnen sind Stammkunden. Von einigen gibt es sogar Büsten. Wie von jenem Taiwaner mit Figurproblemen, der sich hier bei jedem seiner Aufenthalte in der Messestadt einen neuen Anzug verpassen lässt.

Aber auch viel jüngere Kunden kommen, erzählen Andreas und Fatima Mildt vom Kölner Kiton-Laden. Der jüngste bei der Anprobe war noch keine zehn Jahre alt: ein türkischer Junge, der für das Ritual der Beschneidung als kleiner, feiner Mann gekleidet wurde. Oder 15-Jährige mit reichen Eltern, die sich beispielsweise für ihren ersten Ball ein pinkfarbenes Sakko schneidern lassen. Die Altersskala reicht hinauf bis zum 90-jährigen Gentleman.

Bei allen Kunden wird die Grundgröße individuell angepasst, zum Beispiel an die Schulterform. Die entsprechenden Zeichnungen faxt Mildt nach Neapel. "Die Anzüge werden in Italien gefertigt und bei uns dann auf Wunsch noch getunt", sagt Axel Mildt.

Der kleine, feine Laden gibt den Blick in die Werkstatt frei. Die Einrichtung zeugt von Geschmack und Stil. In Köln ist es gelungen, die Seele der neapolitanischen Werkstätten zu übertragen. Auch hier wird Wert auf Handarbeit gelegt. Die leisten sich auch immer mehr Karrierefrauen. In Köln machen Sie bereits zehn Prozent des Kundenstamms aus.

Selbst das Olivenöl und der Mozzarella, der guten Kunden serviert wird, stammen in Köln vom Produktionsort Neapel. In der Modestadt Düsseldorf dagegen, in einer Seitenstraße der Luxusmeile Königsallee, läuft der Laden noch nicht so richtig, ist unter der Hand zu hören. Vielleicht auch, weil für den gemeinen Düsseldorfer Luxus nicht dasselbe bedeutet wie für Ciro Paone, den Padrone von Kiton. "Zurückhaltung - das ist der wahre Luxus", erklärt er. Deutschland ist zweifellos ein wichtiger Markt für italienische Mode, sagt Paone. "Schon weil ich da mit dem Auto oder dem Zug hinkommen kann."

Denn ausgerechnet Paone hat Flugangst. So, wie er aussieht und auftritt - kräftige Statur unterm feinen Zwirn, volles Haar, dicke, bernsteinfarbene Brille -, dürfte der Luftraum aber das einzige Element sein, vor dem dieser Mann sich fürchtet. Bei Stoffen dagegen fühlt sich Paone, der schon früh nach Deutschland exportierte, auf festem Boden. Stoffe haben für ihn eine Seele. Er selbst, sagt er, arbeitet "mit dem Herz", und zwar dort, wo seiner Meinung nach "die besten Schneider der Welt" zu Hause sind: in Neapel. Schon seit sieben Generationen sind die Paones Tuchhändler am Fuße des Vulkans Vesuv. Aber was hat ausgerechnet Neapel mit Luxus zu tun? "Nur wir haben die Eleganz der neapolitanischen Aristokratie in die Gegenwart gerettet. Da hat Neapel Tradition. Keiner trug so leichte und umwerfend schmeichelnde Anzüge auf der Welt." Immerhin bis 1860 bestand das Königreich Neapel, das dann in Italien aufging.

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