Kultur + Kunstmarkt
Das Ende der Verschwiegenheit

"Die geheimnisvollen Herren von C & A" gewähren einen kleinen Einblick in ihr Unternehmen

Manchmal können Krisen auch ihr Gutes haben. Ende der 90er Jahre liefen die Geschäfte des Textilriesen C & A nicht mehr so gut wie gewohnt. Der Konzern, bis dahin als verschwiegenes Gesamtkunstwerk bekannt, begann sich öffnen. Ein Ergebnis dieses veränderten Kommunikationsverhaltens ist das Buch "Die geheimnisvollen Herren von C & A". Die Journalistin Bettina Weiguny erzählt darin die Geschichte des Brenninkmeyer-Clans, der seit Jahrhunderten sein Geld mit Textilien verdient. Das Buch kommt in diesen Tagen in den Handel.

Die Autorin befindet sich in guter Gesellschaft. Im vergangenen Jahr setzten Familienbiographien über die Flicks, die Oetkers und die Wertheims einen neuen Trend in der Wirtschaftsliteratur. Der Reiz all dieser Bücher besteht im Zusammenspiel aus allgemeiner Popularität der beschriebenen Familien, gekoppelt mit teilweise absurder Mythenbildung.

95 Prozent der Deutschen kennen die Marke C & A. Gleichwohl hat die jahrhundertelange Verschlossenheit des Unternehmens zu allerlei Gerüchten und Geschichten geführt. So wurde die Familie Brenninkmeyer schon als "Sekte von Männern ohne Gesicht" oder als "katholischer Geheimbund" beschrieben. Mitarbeiter behaupteten, sie hätten der Bewerbung ein von einem katholischen Pfarrer angefertigtes Führungszeugnis beilegen müssen.

"Muss das sein, dass C & A im Mittelpunkt des Buches steht?", zitiert die Autorin Dominic Brenninkmeyer in der Einleitung. Der Deutschland-Chef des Unternehmens äußerte seine Bedenken bei einem Treffen mit Bettina Weiguny, die aber offensichtlich so lange recherchierte, bis sich die Familie zur Kooperation entschloss.

Wer aber glaubt, zu erfahren, welche Familienmitglieder an den Tochterunternehmen beteiligt sind oder wieviele Kinder in der Familie leben, wird enttäuscht. Wohnorte, Hobbys, Stammbäume - alles vertraulich. Die Brenninkmeyers wollen nur gemächlich kommunizieren und schon gar nicht auf das Niveau von Home-Story-Prominenz heruntersinken. Das ist ihr gutes Recht.

Trotzdem ist das Buch mit Gewinn zu lesen. Weiguny zeichnet das Bild eines Unternehmens, dessen Geschichte vor 350 Jahren im westfälischen Mettingen begann. Johann Gerhard Brenninkmeyer entschloss sich dort 1671, sein Geld als Leinenhändler zu verdienen. Er war der erste Textilunternehmer der Familie, ein "Tödde", der von Haus zu Haus zog, um seine Ware zu verkaufen. Den ersten Laden gründeten seine Nachfahren Clemens und August (kurz: "C & A") viele Jahre später - 1841 im holländischen Sneek. Seitdem haben die Brenninkmeyers einen niederländischen Pass.

Weiguny beschreibt den rasanten Aufstieg des Unternehmens und lässt dabei auch die Nazi-Zeit nicht aus. Die Brenninkmeyers legten damals Wert auf die Feststellung, "rein arischer Abstammung" zu sein. Sie biederten sich an, wie die Autorin schreibt. Bemerkenswert ist, dass sich die Familie in dem Buch nun erstmals dafür entschuldigt. C & A ist nach dem Krieg mit einem atemberaubenden Tempo gewachsen. Die Krise vor wenigen Jahren ist überwunden. Heute arbeitet das Unternehmen wieder profitabel. Wer all dies nachlesen möchte, sollte in das Buch über "Die geheimnisvollen Herren von C & A" investieren.

Bettina Weiguny: Die geheimnisvollen Herren von C&A,

Eichborn Verlag

2005, 224 Seiten, 21,90 Euro

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