Das Ende des Abendlandes
Letzte Rettung für den weißen Mann

Und wieder geht das Abendland unter. Der neuronale und genetische Multiplikatoreffekt verbündet sich gegen Europa: Der wirtschaftliche Vormarsch jener Länder und ihrer Unternehmen, die man früher die „Dritte Welt“ nannte, ist ja unübersehbar.

BERLIN. Sie bauen Flugzeuge und riesige Flughäfen, sie kaufen unsere Stahlwerke und Windradfabriken. Sie programmieren unsere Computer, bestücken unsere Supermärkte und die Elektronikabteilungen der Kaufhäuser, und es sieht danach aus, als ob sie sogar richtige Autos bauen könnten, jedenfalls demnächst.

Der wirtschaftliche Vormarsch jener Länder und ihrer Unternehmen, die man früher die „Dritte Welt“ nannte, ist ja unübersehbar. Doch der Begriff der Globalisierung deckt mehr zu als aufzuklären: Was sind wirklich diese Triebkräfte der Veränderung, die innerhalb von nur zwei Jahrzehnten die indischen Hungerleider zu den neuen Herren der Welt werden lassen? Sind das wirklich nur der Verzicht auf Zollschranken und etwas zu hohe Löhne in der Ersten Welt sowie die chinesische Raubkopiererei?

Der Kulturwissenschaftler und Ökonom Manfred Pohl versucht eine Antwort. Was sich da verändert habe, sei der Zugang zum Wissen der Welt, schreibt er in seinem Buch „Das Ende des weißen Mannes“. Dieses Wissen ist aber nicht eine Art Bibliothek, die weltweit zur Benutzung rund um die Uhr offen steht. Die Auseinandersetzung mit Wissen, das Lernen an sich, verändert die neuronale Struktur in den Hirnen der Lernenden und katapultiert das intelligente Drittel auf eine neue neuronale Ebene, von der aus es immer neue Erfindungen tätigen könne, Gelerntes nutzbringend anwenden und weiterentwickeln könne.

Jahrhundertelang stand dieses Wissen und der damit ausgelöste neuronale Multiplikator-Effekt nur einer Spezies zur Verfügung: den Männern in Europa. Denn nur Europa profitierte von einer mehrere Jahrtausende alten Tradition und Anhäufung des Wissens. Das alte Ägypten mag zerfallen, das klassische Griechenland untergegangen, Rom von den Barbaren geplündert worden sein – trotzdem wurde das Wissen in Europa und nur dort über Jahrhunderte weitergepflegt. Diese Kontinuität hat die weißen Männer dazu befähigt, mit ihren Galeeren die Welt zu umrunden, mit ihren Kanonen zu erobern und mit überlegener Technologie bis in die Gegenwart zu beherrschen. Pohl sieht darin den Grund, warum die zentralen Erfindungen „wie Elektrizität, Telegraf, Telefon, Auto, Flugzeug, bis hin zum Computer und Internet, aber auch in der Agrarwirtschaft die Erfindung künstlicher Düngemittel und in der Medizin das Penizillin ausschließlich in Europa und den USA, also von Einwanderern aus Europa, gemacht wurden.“ Es ist dies nicht eine Begünstigung in der natürlichen Evolutionsgeschichte, sondern die konsequente Ausbildung, die diese „neuronale Progression kognitiver Leistungsfähigkeit“ auslöste.

Seite 1:

Letzte Rettung für den weißen Mann

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%