Das Etikett „Made in USA“ hat in der Literatur Konjunktur
Der Trendsetter

Alexander Fest macht Rowohlt wieder groß: mit den Autoren Jonathan Franzen und Jeffrey Eugenides.

Der Mann absolviert Meetings im Stundentakt. Und wirkt dabei so ruhig, als habe er gerade eine Runde autogenes Training hinter sich. Ein Hanseat im grünen Cordanzug, hoch gewachsen und schlank. Dass er sich da mitten im quirligen Berliner Kiez Kreuzberg mit Gesprächspartnern trifft, passt gut ins Bild. Alexander Fest, Verleger und Erneuerer des Rowohlt Verlags in Reinbek bei Hamburg, Chef von 140 Mitarbeitern, schätzt das Understatement.

Das ruhige Café in der Bergmannstraße ist unprätentiös: bemalte Wände, alte Kaffeehausstühle. Leise sind Opernklänge zu hören. Leise ist auch die Stimme von Fest. Sie zwingt zum genauen Hinhören. Dabei hätte der Mann allen Grund, große Töne zu spucken: In weniger als zwei Jahren wurde der Stoiker zu einem der erfolgreichsten Verleger in Deutschland.

Als Alexander Fest im Februar 2002 beim angeschlagenen Dampfer Rowohlt an Bord ging, war die Branche entsetzt. Der Alexander Fest Verlag, einst Hoffnungsträger der Buchbranche, ging als Mitbringsel im großen Rowohlt-Haus auf. Dort hatten nach einer langen Umstrukturierung viele Autoren und Langgediente die Segel gestrichen. Fest ließ sich nicht beirren und ist noch immer ein Lieblingskind des Feuilletons. Die Neue Zürcher Zeitung verglich seinen Aufstieg gar mit einem Märchen, in dem auf nobles Handeln reicher Lohn folgt.

Glück war im Spiel, das glaubt auch Alexander Fest: „Zum einen ist uns die Steigerung des Gewinns im beträchtlichen Umfang gelungen, und zwar in einer Zeit, in der sich der Markt ziemlich fatal entwickelt hat. Zum anderen waren es großartige Bücher, mit denen wir diese Erfolge hatten. Eben nicht Bohlen, sondern Jonathan Franzen, Jeffrey Eugenides, Inge und Walter Jens und Wolfgang Büscher. Eigentlich kann einem als Verleger nichts Besseres passieren.“ Es ist eine Binsenweisheit, dass Verlage Verleger mit einem ausgesprochenen literarischen Spürsinn brauchen. Fest ist so einer. Er liebt, was er macht, liest ausdauernd Manuskripte, auch nachts. Die dunklen Augenringe sprechen da ihre eigene Sprache. Wie äußert sich seine Begeisterung über ein gutes Manuskript? „Ich bin eher ganz still und sitze da, bin im Sog des Lesens.“



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