Das Irrationale als Essenz des Schaffens Ohne den 11. September hätte es „Gates“ nicht gegeben
Der Stoff, aus dem die Träume sind

Freilich gehört für Christo und Jeanne-Claude die prozesshafte Überwindung bürokratischer Hürden mit hinein in die künstlerische Gleichung. Immerhin geht es dem Paar nicht nur um das ästhetische Endprodukt; auch die vorbereitenden Architekturskizzen, bei Sammlern wie teure Souvenirs gehandelt, sind lediglich Mittel zum Zweck und dienen zur Finanzierung der Mammutvorhaben. Vielmehr ist das Ziel immer auch die Offenlegung – und gleichzeitige Subversion – sozioökonomischer Zusammenhänge: „Unsere Projekte fordern die Gesellschaft heraus“, erläuterte Christo bereits 1977. „Und die Gesellschaft nimmt Stellung. Ganz so, wie wenn es um etwas ganz Normales wie den Bau von Brücken oder Autobahnen ginge. Der Unterschied liegt darin, dass all diese Energie für etwas völlig Irrationales eingesetzt wird. Hierin liegt schließlich die Essenz unseres Schaffens.“

Anders als frühere Arbeiten haben die einzelnen „Gates“ dabei eine bewusst menschliche Dimension. Auch wenn sich die Künstler mit Interpretationsstützen erneut zurückhalten und die technischen Aspekte der Umsetzung in den Vordergrund stellen, so wollen beide ihre Installation im Park doch nicht zuletzt als Hommage an die New Yorker verstanden wissen – somit steht Christo, geboren 1935 in Bulgarien und seit Mitte der 60er-Jahre ansässig in Manhattan, in einer langen Künstlertradition von Piet Mondrian bis hin zum deutschen Maler Blinky Palermo, die in ihrem Werk direkt Bezug nehmen auf das inspirierende Treiben in der Wahlheimat am Hudson. „Wir waren fasziniert davon, wie viele Abertausende von Leuten auf den Straßen laufen. So haben wir uns in New York für ein Vorhaben entschlossen, das sich am Menschen orientiert“ erläuterte Christo einst.

In Kyoto soll das Durchschreiten der Tore von Fushimi-Inari dem Erlangen profaner Freuden dienlich sein: materieller Wohlstand, Reis und Sake. Bleibt zu hoffen, dass den Bewohnern der gebeutelten US-Metropole auf ihrem 37 km langen Pfade der Erleuchtung etwas Besseres einfallen mag.

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