„Das ist wie die Mona Lisa“
Älteste Fotografie zurück in Europa

Auf den ersten Blick sind es nur ein paar Schatten. Doch sie markieren den Beginn der Fotografie. Bald ist das älteste Foto der Welt in Deutschland zu sehen.
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MannheimRotbraunes gedämpftes Licht fällt auf einen schwarzen Kasten. Unter einer Glasplatte geschützt durch das Edelgas Argon liegt sie: die älteste Fotografie der Welt. Nach 50 Jahren kehrt das Bild mit dem Titel „Der Blick aus dem Fenster in Le Gras“ vorübergehend nach Europa zurück. Ab 9. September ist es in den Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen zu sehen. Die Aufnahme gelang dem Franzosen Joseph Nicéphore Niépce 1826 auf einer Zinnplatte - ein Unikat. „Das ist wie die Mona Lisa oder die Blaue Mauritius“, so Kurator Claude Sui am Montag bei der Pressevorstellung des Bildes.

„Für Europa ist das eine Sensation, dass die erste Fotografie der Welt nur in Mannheim zu sehen sein wird“, sagt Kurator Sui. Normalerweise befindet sich das Werk Niépces im Harry Ransom Center der Universität Texas und wird nie verliehen. Zu groß ist die Sorge vor einem Zerfall des Bildes. Zehn Jahre setzte sich Sui dafür ein, die Fotografie in Mannheim ausstellen zu dürfen.

Entsprechend hoch sind die Sicherheitsvorkehrungen für das Bild. „Die Vitrine wird via Internet von Amerika aus gesteuert. Feuchtigkeit, Temperatur und Gasdruck werden ständig gemessen“, sagt Bernd Hoffmann-Schimpf, leitender Restaurator der Reiss-Engelhorn-Museen. „Wir haben jetzt 24 Stunden Rufbereitschaft“. Um die Zinnplatte vor Oxidation mit Sauerstoff zu schützen, wird sie mit dem Edelgas Argon bedeckt.

Die älteste Fotografie der Welt hat bereits eine bewegte Geschichte hinter sich. 1898 in London ausgestellt verlor sich über 50 Jahre die Spur der auf einer mit Asphalt beschichteten Zinnplatte erstellten Aufnahme. So blieb Niépce die Anerkennung für sein Werk lange verwehrt. Als Erfinder der Fotografie galt Niépces späterer Partner Daguerre mit einer Aufnahme von 1839. Erst 1952 wurde Niépces Fotografie von dem Sammler Helmut Gernsheim wieder entdeckt.

Gernsheim hatte sieben Jahre nach dem Bild gesucht. Er wusste lediglich, dass es sich in England befinden musste, und inserierte in verschiedenen Zeitungen. 1961 wurde das Foto zum letzten Mal in Europa ausgestellt. Zwei Jahre später verkaufte Gernsheim seine Sammlung historischer Fotografien an die Universität Texas in den USA.

Trotz ihrer Bedeutung für die Entwicklung der Fotografie wirkt „Der Blick aus dem Fenster in Le Gras“ auf den ersten Blick eher unscheinbar: man erkennt zunächst kaum mehr als ein paar schwarze Schatten. Blickt man dagegen aus dem richtigen Winkel auf das Werk, sieht man Dächer, Bäume und einen Turm - den Blick aus dem Arbeitszimmer Niépces auf seinem Anwesen in Le Gras, festgehalten in einer Belichtungszeit von acht Stunden.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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