Das „lying dinner“ wird zelebriert: Kartoffeln auf der Couch

Das „lying dinner“ wird zelebriert
Kartoffeln auf der Couch

Der Stuhl hat seine Schuldigkeit getan. Er wird im Restaurant zur Seite geschoben - und durch Liegelandschaften ersetzt.

Liegelandschaften aus strahlend weißem Leder, darauf jede Menge weißer Kissen, einige mit blitzenden Svarowski-Steinchen verziert. Dazwischen weiße Gazebahnen, die wie Weichzeichner wirken. Vom Boden steigt magentafarbenes Licht auf, wird über den Köpfen gespiegelt, gebrochen und abgestrahlt, taucht so den ganzen Raum in weiche, bewegte Farben, die auch dem Teint ungeheuer schmeicheln.

Wir ziehen die Schuhe aus, schlüpfen in schwarze Tatami-Schlüffchen, sinken in die edlen Kissen und harren ganz entspannt im Hier und Jetzt der Dinge, die da kommen werden. Dazu legt uns der Discjockey fernöstlich inspirierte Melodien ins Ohr, die entspannt zu hören sind. Die Dinge, die da kommen, sind kleine, kunstvoll auf weißem Geschirr angerichtete Köstlichkeiten wie Rehrücken mit Kürbis und Schokolade. Oder ein "Dessertwalzer", mehrere Portiönchen Süßes.

Chefkoch der handlichen Happen ist Mario Lohninger, der schon einmal drei Michelin-Sterne in Österreich erhielt, dann nach New York ging und jetzt seine Frankfurter Gäste und den Gault Millau begeistert.

Seine zehn bis vierzehn Mini-Gänge servieren junge Damen - ganz in Weiß. Willkommen auf Wolke sieben! Prosaischer gesagt: im "Silk", dem Bettenrestaurant des neuen Frankfurter "Cocoon Club".

Allabendlich wird hier ab 20 Uhr ein "lying dinner" zelebriert. Also ein Abendessen im Liegen. Selbstverständlich sind damit nicht die Mahlzeiten auf dem Krankenlager oder auf dem heimischen Sofa vorm Fernseher gemeint, sondern der Besuch von Betten-Restaurants, in denen wir ganz öffentlich beim Essen rumlümmeln können.

Die Idee, sich zu Tische zu legen, ist im Grunde ein alter Hut. Ein ganz alter, sogar. Ein Blick in die Kulturgeschichte des Betts zeigt: Schon die alten Griechen speisten in der Horizontalen. Und das antike Rom tafelte auf dem Triclinium, einem Speisebett, das drei Personen Platz bot. Im Orient und im Fernen Osten ist es ebenfalls von jeher Brauch, seine Mahlzeiten - auch - im Liegen einzunehmen.

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Kartoffeln auf der Couch

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