Das Maximum
Großes Gespür für die kommende Kunst

Der kompromisslose Galerist und Sammler Heiner Friedrich hat in Traunreut sein Privatmuseum eröffnet. Die ehemaligen Fabrikhallen des väterlichen Unternehmens haben sich in Kunstorte verwandelt.
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TraunreutDer Name strotzt nur so vor Selbstbewusstsein: „Das Maximum“ hat der Galerist, Sammler und Museumsgründer Heiner Friedrich sein kürzlich eröffnetes Museum samt Stiftung im Chiemgau genannt. Die superlativische Namensgebung passt zu einem Mann, der mit viel Gespür für die kommende Kunst und noch mehr Geld Projekte von Künstlern ermöglicht, die Kunstgeschichte geschrieben haben. Schon in den 1960er-Jahren beginnt der Fabrikantensohn, Kunst zu fördern, und engagiert sich für Künstler, deren Werke den Museen zu neu, zu groß und zu sperrig sind.

Der amerikanische Land-Art-Pionier Walter de Maria füllt 1968 einen Galerieraum mit 50 Kubikmeter Erde aus: 60 Zentimeter hoch und nicht begehbar. Allein die Herstellungskosten betragen 10 000 DM. Friedrich bietetet das radikale Werk für 28 000 DM zum Verkauf an - ohne Erfolg. Ein finanzielles Desaster. „Ich hatte kein Haushaltsgeld mehr und rief meine Mutter um Hilfe an“, erinnert sich Six Friedrich. De Marias „Earth Room“ bringt der noch jungen Galerie weltweite Publicity ein. In den 1970er-Jahren begeistert de Maria Kunstenthusiasten mit Blitzen, die er als „Lightning Field“ auf einem 75 Quadratkilometer großen Gelände aufzucken lässt.

1964 stellt Friedrich nicht nur den damals völlig unbekannten Gerhard Richter aus, sondern auch die heute noch provozierenden "Kritzelzeichnungen" von Cy Twombly. Er präsentiert Kunst aus Neonlicht von Dan Flavin und Skulpturen aus Autoblech von John Chamberlain. Heiner Friedrich gehört zu den schillerndsten Figuren der internationalen Kunstszene. In Oberbayern steht jetzt das Monument seines Lebenswerks. "Wie kam denn "Das Maximum" nach Traunreut?" fragt ein Reporter bei der Eröffnung. „Gottgegeben“, schmettert der Kunstermöglicher die Frage selbstbewusst ab. Der in Versalien geschriebene Name geht jedoch nicht auf Friedrich zurück, sondern auf dessen Freund und Weggefährten Franz Dahlem. Der Museumsgründer hat nur noch „KunstGegenwart“ als Untertitel hinzugefügt.

In Traunreut hatte Vater Harald Friedrich nach dem Krieg Metallwaren sowie den legendären Sportwagen Spatz produziert. Als das Gelände nicht mehr industriell genutzt wurde, stand für den Sohn und dessen Zwillingsschwester fest: Es wird in einen Kunstort von 3000 Quadratmetern mit mehreren Gebäuden umgewandelt.

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