Das Oeuvre
Sein oder Nichtsein - ein echter Rembrandt?

Heute werden etwa 250 Bilder Rembrandt zugeschrieben - andere Quellen sprechen von 350. Vor 100 Jahren sollen es fast 1000 gewesen sein. Die Möglichkeit, das Oeuvre des Niederländers besser zu bestimmen ist auch den Erkenntnissen zu verdanken, die Rembrandt-Forscher über Arbeitsweise und Werkstattbetrieb des Meisters gewinnen konnten.

HB BERLIN. Die Frage, wie es in Rembrandts Werkstatt wirklich zugegangen ist, ist für Bernd Lindemann, den Direktor der Berliner Gemäldegalerie sehr wichtig und interessant. Das soll auch die große Ausstellungs-Trilogie zum Jubiläumsjahr in Berlin vom 4. August bis 5. November zeigen, die Rembrandt als Universalgenie in Malerei, Zeichenkunst und Druckgrafik feiern, aber auch hinterfragen will.

Bei der Bilderanalyse helfen die immer weiter entwickelten Forschungsmethoden mit aufwendigen Röntgenaufnahmen, Infrarotuntersuchungen oder die so genannte Dendrochronologie, die Wissenschaft vom Alter und der Herkunft des Holzes. „Aber eigentlich sind wir in der Kunstwissenschaft hauptsächlich noch immer mit demselben Rüstzeug ausgestattet wie unsere Altvorderen, nämlich mit dem, was wir Stilkritik nennen.“ Das sei der Reiz aller Geisteswissenschaften, dass sie an einen Punkt gelange, an dem die Grenzen der Objektivierbarkeit erreicht seien.

Spannend ist für Lindemann aber vor allem die Werkstattfrage. „Rembrandt hatte eine außerordentlich lebhafte und lebendige Werkstatt, in die immer wieder zeitgenössische Maler kamen, um Rembrandts Manier, ja, man muss sagen: Manieren, zu lernen“, meint Lindemann.

So gibt es vermeintliche Selbstbildnisse Rembrandts, die keine sind, aber seine Signatur tragen, weil sie schon damals auf dem Kunstmarkt mit diesem „Warenzeichen“ besser zu verkaufen waren. Auch gab es eine Reihe von hochkarätigen Rembrandt-Schülern wie zum Beispiel Adrian van Ostade (1610-1685), der im Rembrandt-Stil zu malen begann und sich später weiterentwickelte.

Lange Zeit hat man in der Forschung angenommen, dass Rembrandt angefangene Bilder auch immer selbst zu Ende geführt habe, im Gegensatz zum Beispiel zu Rubens (1577-1640). Und umgekehrt: Aus der Rembrandt-Werkstatt gibt es auch Bilder, die von einem Mitarbeiter oder Schüler begonnen wurden und dann von Rembrandt korrigierend verändert beziehungsweise vollendet wurden. Eine andere Überraschung in der Forschung war laut Lindemann die Erkenntnis, dass eine Reihe von Frühwerken, die in so genannter „rauer Manier“ gemalt worden sind, anders als zunächst angenommen ebenfalls von Rembrandt stammen, obwohl man von ihm nur die „glatten Farbaufstriche“ zu kennen glaubte.

Auch manches Genrebild traute man ihm nicht zu, sah man in Rembrandt doch lange Zeit nur den Historien- und Porträtmaler. So entdeckte man erst vor wenigen Jahren in Dublin nach einer gründlichen Restaurierung das so genannte „Schinkenklopfen“-Bild über ein im 17. Jahrhundert beliebtes Gesellschaftsspiel. Es ist zwar mit „Rembrandt“ signiert, dennoch wurde die Echtheit lange Zeit bezweifelt, weil der holländische Maler normalerweise keine Genreszenen aus dem Alltagsleben in Öl malte. Das irische Museum hatte das Bild 1896 für 20 Pfund erworben. Jetzt wurde es als „echter Rembrandt“ eingestuft und ist unschätzbar wertvoll.

Umgekehrt lief es mit dem farbenprächtigen „Mann mit dem Goldhelm“ in Berlin, der bis vor 20 Jahren als echter Rembrandt bestaunt wurde und neben der Büste der Nofretete eine der Hauptattraktionen der Berliner Museen war. Man schreibt es jetzt dem „Umkreis“ Rembrandts zu, ohne den Maler bisher identifiziert zu haben.

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