David Alden rührt in seiner Berliner „Alcina“ ein eklektisches Appetithäppchen zusammen
Keimfreie Bananentänze

Als „seltsame Mischung aus Farce und Tragödie“ sieht der amerikanische Regisseur David Alden Händels späte Zauberoper „Alcina“. In seiner Neuinszenierung für die Komische Oper Berlin prägt denn auch keimfreie Unentschiedenheit das Konzept.

Alden ist ein Vertreter des eklektischen Musiktheaters. Er holt sich Anregungen aus dem Film und scheut sich nicht, geniale Einfälle aus anderen Operninszenierungen auszubeuten. Zitate von John Dew, Robert Carsen, Doris Dörrie und Jossi Wieler sind in seine „Alcina“ eingeflossen. Sie sind Teil eines großen Bilderzirkus, in dem das Musiktheater mit einer variablen Bühne zum Tummelplatz symbolischer Versatzstücke und heterogener Momentaufnahmen wird.

Die Geschichte der Zauberin Alcina, die ihre ehemaligen Liebhaber in Tiere verwandelt und ihren Favoriten Ruggiero in einer erotischen Traumbeziehung hält, verliert durch den ständigen Wechsel von Drama und Burleske bis hin zur Klamotte viel an Biss und innerer Spannung. Die dekorativen Tierskulpturen und die Bananentänze eines Männerballetts, die erotische Abhängigkeit signalisieren, wirken bald abgestanden. Zu allem Überfluss muss auch noch ein Komparse im Gorillakostüm demonstrieren, wie sehr die Frau den Mann zum Affen macht – vordergründiger geht es nicht.

Alle diese nicht sonderlich frischen Einfälle verpuffen am Ende. Alden lässt in Anlehnung an Doris Dörries „Turandot“-Inszenierung den Glamour der Traumwelt in spießbürgerliche Genügsamkeit aufgehen. Gelbe Fertighäuslein erdrücken die aufgesetzte Individualität. Damit wird Händels Ende, die glückliche Befreiung der verzauberten Freier, in ihr Gegenteil verkehrt. Das ist, wenn auch nicht originär, wenigstens schlüssig.

Musikalisch ist die Aufführung fast ohne Makel. Nur Markus Schäfer als Oronte bleibt dem Händel-Stil wesentliche Nuancen schuldig. Dafür liefert die erst fünf Tage vor der Premiere eingesprungene Geraldine McGreevy in der Titelpartie eine eindringliche Rollenstudie. Annette Markert (Ruggiero) und Ewa Wolak (Bradamante) praktizieren perfekten Händel-Schöngesang, Dirigent Paul McCreesh entlockt dem Orchester barocke Klangfülle und instrumentale Bravourstücke. Die Händel-Pflege der Komischen Oper hat damit einen neuen Höhepunkt – mit Aldens Inszenierung allerdings nur ein Amuse-Gueule.

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