Daxer & Marschall
Der Händler, bei dem die Museen kaufen

Zwei   Jahre nach Gründung der Kunsthandlung einen Stand auf der Tefaf zu bekommen – das wäre heute undenkbar. Marcus Marschall ist das seinerzeit geglückt. Dieses Jahr feiert Daxer & Marschall 25-jähriges Bestehen.
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MaastrichtMarcus Marschall hat 1988 Glück. Als der junge Kunsthistoriker seinen ersten Auftritt auf der anspruchsvollen Kunst- und Antiquitätenmesse in Maastricht plant, „gibt es noch keine Wartelisten“ so wie heute. Dieses Jahr besteht die Firma Daxer & Marschall seit 25 Jahren, auf der Tefaf ist sie zum 24. Mal dabei.

Daxer & Marschall macht zunächst mit feinem Kunstgewerbe auf sich aufmerksam. Eine Roentgen-Uhr findet dann auch Eingang ins Landesmuseum Karlsruhe. Früh schon spielen Ölskizzen eine Rolle im Angebot. Dieses Spielbein entwickelt sich schrittweise zum Standbein. Marschall sammelt privat Malerei des 19. Jahrhunderts, kennt Quellen, Experten und Sammler. Auf der Tefaf war dann freilich 2005 ein Umzug in die Sektion Malerei notwendig.

Attraktive Reminiszenz an die Anfänge ist am Stand ein prachtvoller Pietra-Dura-Tisch aus der Werkstatt von Alfonso Cavamelli (um 1830). Die eingelegten Marmor- und Halbedelsteine stammen aus Ruinen der Paläste, Tempel und Bäder inner- und außerhalb Roms.

Marschall publiziert seine Erwerbungen in sorgfältig gemachten Katalogen. Die aktuelle Auswahl an Gemälden, Skizzen und einem Non-Finto hat Sammler und Museumskustoden animiert, sofort zahlreiche Reservierungen vornehmen zu lassen. Noch während des Juryrundgangs vor der Vernissage haben drei französische Museen Exponate zurückstellen lassen, um ihre Lücken in dem lange unterschätzten Sammelgebiet zu schließen. „Das ist die Magie des Platzes. Diese Kunden erreiche ich auf der Tefaf viel besser als in München.“ Marschall benennt damit einen Nachteil der förderal strukturierten Bundesrepublik.

Zu den USA sind die Kontakte sehr gut, nicht zuletzt weil Marschall durch seinen Vater die amerikanische Staatsbürgerschaft hat und seine Kataloge in Englisch publiziert. „Die Amerikaner entdecken die Europäer“, beobachtet der Wahl-Münchener zufrieden. Denn die deutsche Sammlerschaft für Carl Gustav Carus, Friedrich Nerly, J.C. Clausen-Dahl, Friedrich Jentzen und Eugenio Lucas I. ist inzwischen recht klein.

Das Jubiläumsjahr hat nur eine große Veränderung gebracht. Daxer & Marschall hat keine Laufkundschaft. Das Ladenlokal in der Brienner Straße hat der Kunsthändler, der nicht zu den Lautsprechern und Selbstdarstellern der Branche gehört, aufgegeben. Daxer & Marschall residiert jetzt im zweiten Stock in der Barer Straße 44, in unmittelbarer Nachbarschaft zur Neuen Pinakothek. Also genau dort, wo seine Kunden ihr Auge schulen, sich Anregung oder auch Rat von Experten holen. 
 


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