Debby Harry würde gerne Doris Day spielen
Rock ist Rebellion

Auch mit 58 Jahren ist Deborah Ann Harry noch die New-Wave-Ikone Blondie. Mit ihr und Songwriter Chris Stein sprach das Weekend Journal über das neue Album der Band, das Altern als Sexsymbol und Wunschträume.

Weekend Journal: Mrs. Harry, was hat es mit „The Curse Of Blondie“ („Fluch der Blondie“) auf sich, ist Ihre Band bis zum St. Nimmerleinstag zum Rock ’n’ Roll verdammt?

Harry: Genau, wie man bei uns zu Hause sagt: „Damned if we do, damned if we don’t!“ Wir haben also gar keine andere Wahl, als immer weiter Musik zu machen.

Während Blondie bei vielen Kritikern früher als reine Singles-Band galt, scheint „The Curse“ sehr komplex. Da gibt es Pop, Metal und Hip-Hop und sogar Free Jazz...

Harry: Es war immer unsere Absicht, gute Songs zu schreiben, aber erst mit den Jahren hat sich diese Kunst so verfertigt, dass wir ein Album wie dieses machen konnten.

Sie sind nun 58, und während andere an den Ruhestand denken, sind Sie aktiver denn je; holen Sie jetzt nach, was Sie in den 90ern verpasst haben?

Harry: Nein. Es ist auch nicht so, als hätte ich in den 16 Jahren, in denen die Band ruhte, keine Musik gemacht. Ich habe Solo-Alben aufgenommen und mit den verschiedensten Musikern zusammengearbeitet.

Sie stehen auf der Bühne und vor der Kamera. Sie sind gerade im Drogendrama „Spun“ zu sehen. Stimmt es, dass Sie gerne mal Doris Day spielen würden?

Harry: Ja, ich habe ihre Biografie gelesen und war fasziniert. Als Kind hatte sie nur den einen Wunsch, Tänzerin zu werden. Dann aber machte ein schwerer Unfall diesen Traum zunichte. Statt aufzugeben, setzte sie dann alles daran, als Schauspielerin und Sängerin erfolgreich zu sein. Ich habe versucht, Kontakt zu ihr aufzunehmen, sie wollte aber lieber für sich bleiben. Ich bewundere es, wenn jemand trotz großer Hindernisse seinen Weg macht.

Hindernisse gab es auch für Sie, als Sie Ende der 60er-Jahre nach New York kamen. Sind Sie ein wenig neidisch, wenn Sie sehen, wie leicht heute Superstars vom Fernsehen gemacht werden?

Harry: Ich habe sicherlich eine ungewöhnliche Karriere gemacht. Heute werden Karrieren am Reißbrett entworfen und genauso schnell wieder eingestampft. Ich bin aber sehr zufrieden. Ich habe mit wundervollen Künstlern zusammengearbeitet, mit Jeffrey Lee Pierce und seinem Gun Club, mit Iggy Pop und mit den Erfindern von Disco, Nile Rodgers und Bernard Edwards von Chic.

Wie war das damals?

Stein: Wir hatten Glück, dass wir damals starten konnten. Diejenigen, die bei „American Idol“ (US-Gegenstück zu „Deutschland sucht den Superstar“; d.Red.) mitmachen, wollen zwar Rockstars werden. Das, was Rock aber immer ausgemacht hat, die Rebellion, das Anderssein, das wollen sie nicht, weil das die Akzeptanz beim Establishment gefährden würde. Das ist Bullshit. Wir wollten damals Outsider sein, der Welt ein „Fuck you“ entgegenschmettern.

Und wie erträgt ein Sexsymbol das Älterwerden?

Harry: Damit habe ich kein Problem. Warum sollte man auch gerade mit den Dingen aufhören, die den größten Spaß im Leben machen!?

Das Gespräch führte Andreas Kötter.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%