Debütalbum
Ex-Börsenchef Seifert groovt

Acht Monate nach seinem Abtritt als Chef der Deutschen Börse AG macht Werner Seifert wieder von sich reden: Die Band „jazzXCHANGE“, in der Seifert unter anderem Hammond-Orgel spielt, hat ihr Debütalbum herausgebracht. Ab Montag gehen Seifert und seine fünf Mitmusiker auf Tournee.

HB MANNHEIM. Die Deutschlandtournee des Sextetts startet im Mannheimer Nationaltheater. Dann können Seifert, vier junge Profi-Musiker und ein weiterer Ex-Top-Manager zeigen, was sie draufhaben: Der Gründer und heutige Aufsichtsratsvorsitzende des IT-Dienstleisters IDS Scheer, August Wilhelm Scheer, spielt in der Band Bariton- Saxofon.

Erschienen ist die CD bei dem kleinen Label Rodenstein Records. Es gehört zu einem Musikverlag, bei dem Band-Mitglied Thomas Siffling Geschäftsführer ist. Für einen Vertrag mit einer großen Plattenfirma reicht der Ruf von jazzXCHANGE noch nicht weit genug, meint Siffling, der zu den besten jungen Jazztrompetern in Deutschland zählt und auch schon bei den „Söhnen Mannheims“ mitspielte: „Man muss realistisch sein, die Band ist noch relativ unbekannt.“ Geprobt wird in einer Halle in Frankfurt, in der Auto-Narr Seifert auch einige seiner Lieblingskarossen geparkt hat.

Seinen Hauptwohnsitz hat der 56 Jahre alte Ex-Manager Seifert inzwischen in ein Fischerdorf an der Südküste Irlands verlegt. Dort übt er in seiner nun etwas großzügiger bemessenen Freizeit fleißig. „Unsere beiden Semi-Profis müssen natürlich ein bisschen mehr tun, machen aber auch wahnsinnig gute Fortschritte“, berichtet Siffling. Der ehemalige Börsenchef, der auch die E-Piano-Varianten Fender Rhodes und Wurlitzer bedient, habe eindeutig „noch Potenzial nach oben“. Die Prominenz der beiden Wirtschaftsführer könne helfen, die Band und den unkomplizierten Jazz, für den sie stehe, einem breiteren Publikum bekannt zu machen, hofft Siffling.

Auf dem Cover des Debütalbums mit dem Titel „Well, you needn't“ posiert Seifert mit verschränkten Armen und in Lederjacke. Da der unkonventionelle Wirtschaftsführer während seiner Zeit als Börsenchef gern Parallelen zwischen Jazz und Management zog, wird er sich nun wohl auch Anspielungen auf seinen erzwungenen Abgang und die Songs des Albums gefallen lassen müssen: Schließlich legen Titel wie „All blues“ und „Why am I treated so bad“ eine eher getrübte seelische Verfassung nahe. Insgesamt zeichnet sich die Platte laut Label durch „groovigen Soul-Jazz“ aus - gepaart mit Klassikern, zum Beispiel von Miles Davis. Zunächst wurden 2000 Stück gepresst.

Wird das Debütalbum entgegen allen Erwartungen ein Flop, bleibt Seifert noch die Hoffnung auf sein Enthüllungsbuch, das die Rolle der mächtigen Hedge Fonds bei der Deutschen Börse beschreibt und Ende März erscheinen soll. Die auf eher kurzfristige Gewinne ausgerichteten Fonds hatten als Großaktionäre der Börse Seiferts Pläne einer Übernahme des Londoner Handelsplatzes durchkreuzt und damit seinen Abgang provoziert. In dem Buch könnte es also weniger „groovig“ als beim Jazz zugehen.

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