Dekorative Kunst
Die Trauernden des Herzogs

Zwei mittelalterliche Alabasterstatuen werden in Paris für mehr als 4 Millionen Euro versteigert. Auch französisches Silber von Katharina der Großen erzielt hohe Preise.
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ParisDie beiden burgundischen Alabasterstatuen der Trauernden („Pleurants“) sind zwar nur 40 Zentimenter groß, aber stilistisch von hoher kunsthistorischer Bedeutung. Ursprünglich zählten die beiden weinenden Figuren in Trauerkleidung zum monumentalen Grabmal des Kunstförderers Jean de France, Duc de Berry (1340-1416). Am 8. November 2013 lösten sie bei Christie’s einen harten Bietkampf aus. Fünf Interessenten traten am Telefon gegeneinander an, bis das Los schließlich bei mehr als 4 Millionen Euro zugeschlagen wurde.

Der eigens aus London angereiste Christie's-Spezialist Amjad Rauf erwarb die gotischen Plastiken im Auftrag eines Kunden. Er habe nicht für einen Käufer aus dem Mittleren Orient geboten, antwortete Rauf auf die Frage des Handelsblatts. Angeblich wurden die beiden Figuren von einem Europäer erworben.

Skulpturen in alle Winde zerstreut

Jean de France war der dritte Sohn des französischen Königs Jean II. des Guten und der erste Herzog von Berry. Berühmt gemacht hat ihn sein illuminiertes Stundenbuch, „Les très riches heures du Duc de Berry“. Er beschloss in Bourges, seinem Hauptregierungssitz, eine aufwendige Kapelle („Sainte Chapelle“) für sein späteres Grabmal errichten zu lassen. Um seine liegende Steinfigur standen 27, bisher bekannt gewordene Trauernde aus Alabaster und Marmor, geschaffen von den beiden Künstlern Etienne Bobinet und Paul Mosselmann 1450 bis 1453.

Acht "Trauernde" in Privatbesitz

Die Französische Revolution verstreute die Skulpturen in alle Winde. Heute befinden sich noch acht Figuren in Privathand. Allein die Pariser Familie von Denys, Baron Cochin, besaß seit Anfang des 19. Jahrhunderts vier der „Pleurants“. Zu ihnen gehören auch die beiden versteigerten Exemplare.

Geschenk für den Liebhaber

Aus einer anderen Einlieferung stammten Teile des berühmten, von den Pariser Hofgoldschmieden Jacques und Nicolas Röettiers gefertigten Silberservice Orlow. Bestellt wurde es einst von der russischen Zarin Katharina II. als Geschenk für ihren Liebhaber. Für eine reich verzierte Suppenterrine bewilligte ein Telefonbieter 1,8 Millionen Euro, für vier Kerzenhalter 601.500 Euro. Von einer Gold-Zuckerdose, die 1751 von Louis Picasse geschmiedet wurde, trennte sich die Comtesse Viviane de Witt, eine ehemalige Pariser Auktionatorin, für 961.500 Euro. Insgesamt setzte Christie’s im Rahmen der „Le goût français“-Auktion 10,7 Millionen Euro für 352 Lose mit dekorativer Kunst um.

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